SWR3 Gedanken
Manchmal hilft nur noch Beten! In Italien hat die Katholische Kirche dazu aufgerufen. Zum Beten um Regen. Denn inzwischen ist es da so trocken, dass Flüsse verschwinden und das Wasser knapp wird. Der liebe Gott soll es nun richten.
Ich musste an eine Ausstellung denken, die ich vor kurzem in Bonn gesehen habe. Es ging um indigene Kulturen in Südamerika. Die Menschen, die dort in den riesigen Urwäldern leben, haben Tänze und Rituale, mit denen sie ihre Götter und Geister um Regen bitten. Ich weiß, mit einem Gebet zum Gott der Christen hat das scheinbar wenig zu tun. Doch etwas anderes finde ich entscheidender: Die Menschen im Urwald leben nämlich ganz eng mit der Natur. Fühlen sich eins mit allem, was sie umgibt. Mit der Erde, mit Bäumen, Tieren, der Luft, die sie atmen. Und mit den Göttern, die in ihrem Empfinden dort wohnen. Ganz anders bei uns. Für die Allermeisten ist Natur eher irgendwas da draußen. Etwas, das wir umkrempeln können, wie es uns am besten passt. Aber eine echte Beziehung? Das Gefühl, eins zu sein mit der Natur. Fehlanzeige. Die Folgen dieser Spaltung spüren wir vielleicht gerade jetzt.
Gott um Regen zu bitten kann nie verkehrt sein. Aber ein Gebet ist kein Bestellzettel. Im Idealfall verändert Beten nämlich nicht nur irgendwas da draußen, sondern mich selbst. Und vielleicht wäre es genau das, was wir jetzt dringend brauchen. Eine andere Beziehung zur Schöpfung.
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