SWR3 Gedanken

27AUG2026
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Es gibt einen Ort, an dem ich erstaunlich viel über mich erfahre: auf dem Friseurstuhl bei Kilian. Seit Jahren schneidet er mir die Haare. Aber oft wird das Haareschneiden fast zur Nebensache. Wir reden über unsere Kinder, über die Arbeit oder darüber, was in der gerade Welt los ist.

Das Besondere ist: Kilian merkt sich nicht nur, wie ich meine Haare trage. Sondern auch, was mich beschäftigt. Beim nächsten Termin fragt er nach. Nicht aus Höflichkeit, sondern weil es ihn wirklich interessiert.

Ähnlich ist es bei uns im Ort in der Apotheke. Da arbeitet eine Frau, die jedes Mal ganz nebenbei fragt, „Und wie geht’s der Familie?“ Es dauert meistens keine Minute, dann geh ich schon wieder raus. Aber ich gehe immer mit dem Gefühl, dass ich nicht nur einfach der nächste Kunde war.

Mir tut das gut. In einer Zeit, in der ich meinen Einkauf immer öfter selbst scanne und vieles nur noch per App erledige, fallen mir solche Begegnungen wieder viel mehr auf. Weil da Menschen sind, die sich nicht nur für das interessieren, was ich kaufen will, sondern auch dafür, wie es mir geht.

Eigentlich kostet so eine Frage nur ein paar Sekunden. Aber sie schenkt etwas, das man mit keinem Geld der Welt bezahlen kann: das Gefühl, gesehen zu werden.

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