SWR3 Gedanken

24AUG2026
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„Ihr Zug verspätet sich um …“ schallt es wieder einmal über den Bahnsteig. Ich nehme meine Kopfhörer raus und bin gespannt. Was ist es diesmal? Verspätung aus vorheriger Fahrt. Eine defekte Tür oder doch mal wieder die Signalstörung?

Natürlich bin ich von jeder Zugverspätung genervt. Und die Durchsage bringt mich auch nicht schneller ans Ziel. Trotzdem höre ich sie lieber, als ein schlichtes: „Heute circa 10 Minuten später“ Denn die Erklärung erinnert mich daran: Dieser Zug ist nicht einfach zu spät. Irgendwo vorher ist etwas passiert, das sich bis hierher auswirkt.

Bei uns Menschen ist das oft ähnlich. Wie oft ärgere ich mich über jemanden, ohne zu wissen, was vorher war. Manchmal hätte ich da auch gerne so eine Durchsage. Grund dafür ist eine schlaflose Nacht. Grund dafür ist Stress im Job. Grund dafür ist ein gebrochenes Herz. Das macht das Verhalten nicht automatisch besser. Aber ich urteile vielleicht nicht ganz so schnell.

Jeder bringt etwas mit, das man auf den ersten Blick nicht sieht. Dafür gibt es zwar nur selten eine Durchsage und nicht immer geht mich die Geschichte von jemand anderem etwas an. Aber was ich immer auf Schirm haben kann: Es gibt bestimmt einen guten Grund dafür.

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