SWR4 Abendgedanken
Es muss 2014 gewesen sein. In Dresden gingen Anhänger der Pegida-Bewegung auf die Straße, um gegen die Islamisierung des Abendlandes zu demonstrieren. Dabei trugen sie schwarz-rot-golden angemalte Kreuze vor sich her und sangen Weihnachtslieder wie „Stille Nacht“, oder „O du fröhliche“.
Ich habe damals in meiner Weihnachtspredigt die Position vertreten, dass diese Demonstrantinnen und Demonstranten aus meiner Sicht wenig von der Weihnachtsbotschaft verstanden haben. Das denke ich heute übrigens auch noch. Die Weihnachtsgeschichte erzählt von einer Familie, die eine Unterkunft sucht. Da bringt eine Frau unter erbärmlichen Verhältnissen ein Kind zur Welt. Und dann müssen Maria und Josef fliehen, weil jemand ihr Kind umbringen will. Mit Weihnachtsliedern und schwarz-rot goldenen Kreuzen gegen Menschen auf der Flucht zu demonstrieren, war also ziemlich absurd und es ist menschenverachtend.
Man kann mir vorwerfen, dass ich mich damit politisch geäußert hätte. Ja, das habe ich. Man kann der Meinung sein, dass ein Pfarrer das nicht tun darf. Das sehe ich anders. Die christliche Botschaft ist eine politische Botschaft. Das war sie schon immer. Sie steht klar auf der Seite derer, die arm sind, die ausgegrenzt, verfolgt und unterdrückt werden. Die christliche Botschaft ergreift für diese Menschen Partei und das endet nicht an einer Landesgrenze. Wo immer also Menschen an den Rand gedrängt werden, haben die Kirchen die Pflicht, ihre Stimme zu erheben. Und wenn die Kirche selbst Menschen an den Rand drängt, macht sie sich lächerlich. Auch das will ich klar sagen.
Übrigens halte ich es auch für problematisch, wenn einem bestimmten Teil unserer Gesellschaft durch sogenannte Brandmauern gesagt wird, man wolle mit ihnen nichts zu tun haben. Für sonderlich demokratisch halte ich das nicht. Und christlich ist das schon gar nicht, denn es schadet meiner Meinung nach unserem Zusammenleben.
Aber natürlich gibt es für mich rote Linien. Und die sind für mich auch nicht verhandelbar. Diese Linien verlaufen dort, wo Menschen an den Rand gedrängt werden, sei es aufgrund ihrer Herkunft, ihrer Religion, ihrer Ansichten, ihrer Lebensweise oder warum auch immer. Bis zu dieser Linie können wir und sollten wir über alles reden und miteinander für unser Gemeinwohl Politik machen. Vielleicht würde so auch unsere Politik ein besseres Bild abgeben.
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