SWR4 Abendgedanken

14AUG2026
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Manchmal frage ich mich am Ende eines Tages, was ich geschafft habe. Ich meine damit weniger, was ich alles erledigen konnte. Ich überlege, was mir gelungen ist und was nicht.

Ich gehöre nicht zu den Menschen, die dazu neigen, alles negativ zu sehen und wenn mir etwas nicht gelungen ist, gleich alles in Frage zu stellen. Aber ich weiß, dass es Menschen gibt, denen es so geht. Manche Menschen verzweifeln, weil ihre Ideale, weil ihre Vorstellungen sich nicht umsetzen lassen, oder aus ihrer Sicht nur unzureichend. Ich weiß: Mein Leben ist nicht perfekt und ich bin es auch nicht.

Während ich diesen Radiobeitrag schreibe, sitze ich vor einem Abschnitt aus dem Matthäusevangelium. Darin wird das Himmelreich mit einem Netz beschrieben, das die Fischer an Land ziehen und dann die guten Fische in Körben sammeln und die schlechten wegwerfen. Der Gedanke drängt sich mir auf, dass es dabei um Menschen geht – um gute und um schlechte. Und am Ende wird von Gott und seinen Gehilfen sortiert. Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen. Ermutigend finde ich das nicht gerade.

Aber was passiert, wenn ich dieses Bild vom Netz aus einer anderen Perspektive betrachte? Wie sieht es aus, wenn das Netz mein Leben darstellt? Da gibt es Gutes zu finden, aber es gibt auch den Beifang, den niemand braucht. Was ist, wenn Gott am Ende eines Tages, oder am Ende meines Lebens das sammelt, was gut war und das andere entsorgt? Dann sieht dieses Bild gleich ganz anders aus.

Und weil ich glaube, dass Gott nachsichtig ist mit mir, weil ich darauf vertraue, dass Gott mich liebt und will, dass ich glücklich bin, darum meine ich, dass ich dieses Bild vom Netz genauso betrachten darf: Worauf es ankommt, was gesammelt wird, sind meine guten Seiten. Was zählt ist das, was gelingt. Alles andere fällt bei Gott unter den Tisch und spielt keine Rolle mehr. Niemand ist perfekt und niemand muss perfekt sein. Aus dieser Perspektive betrachtet finde ich dieses Bild schön und so macht es mir Mut.

Ich strenge mich nach wie vor an, gut zu sein und mein Bestes zu geben. Aber gleichzeitig kann ich gelassen auf das schauen, was niemand gebraucht hätte. In diesem Sinn wünsche ich Ihnen einen nachsichtigen Blick auf diesen Tag und auf sich selbst. Und mit diesem Blick wünsche ich Ihnen ein schönes Wochenende.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44978
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