SWR4 Abendgedanken
Vielleicht kennen Sie die Geschichte von den Menschen, die mit verbundenen Augen einen Elefanten ertasten sollten, um dann zu beschreiben, was das für ein Tier ist. Für denjenigen, der den Rüssel erwischt, ist der Elefant wie eine Schlange. Diejenige, die ein Bein vor sich hat, ist fest davon überzeugt, der Elefant ist wie ein Baum. Beide haben aus ihrer Warte Recht. Und trotzdem liegen beide daneben.
Vor kurzem haben wir in unserer Gemeinde darüber gesprochen, wie wir uns Gott vorstellen? Wir haben uns darüber ausgetauscht und der Aufhänger war diese Geschichte vom Elefanten.
Wie ich mir Gott vorstelle, hängt sehr davon ab, wie ich geprägt bin, welche Erfahrungen ich gemacht habe und wie ich mir Gott wünsche. Ja, Gott ist aus meiner Sicht auch eine Projektionsfläche, wie die Leinwand im Kino, auf der ich die Bilder zeige, die ich von anderen übernommen, oder die ich selbst im Lauf meines Lebens entwickelt habe.
Manche dieser erlernten Bilder stehen mir heute im Weg. Der „allmächtige Gott“ zum Beispiel. Wenn Gott allmächtig ist, warum lässt er dann zu, dass Menschen sich im Krieg gegenseitig massakrieren? Die Antwort, dass Gott uns Freiheit gegeben hat, überzeugt mich mal mehr mal weniger. Das gilt auch für das Wortspiel „Gott ist allmächtig, weil Gott in uns allen mächtig ist“. Mit dieser Allmacht kann es nicht weit her sein. Menschen verhalten sich sehr gegensätzlich. Während die einen sich um Frieden bemühen, wetzen die anderen die Säbel. Ja was denn nun?
Die Bibel geht davon aus, dass Gott die ganze Erde und den Menschen geschaffen hat. Und die Bibel mahnt: Du sollst den Namen Gottes nicht missbrauchen. Wenn jeder Menschen ein Geschöpf Gottes ist, dann ist es nach meinem Verständnis ein Missbrauch, Menschen im Namen Gottes abzuwerten, auszugrenzen, ins Elend zu schicken, oder gar umzubringen. Natürlich gibt es auch andere Gottesbilder. Ich muss mich entscheiden, wie ich Gott sehe und was mein Bild von Gott für mein Verhalten bedeutet. Ich muss mich entscheiden, wie ich leben will.
Für mich ist Gott die Einladung, mich selbst und alle anderen Geschöpfe als gleichberechtigten Teil dieser Welt zu betrachten. Heruntergebrochen auf einen ganz einfachen Merksatz heißt das: „Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu.
Ich meine, dass dieser Grundsatz ein friedliches Miteinander möglich macht. Und ich stelle mir vor, dass Gott sich ein friedliches Miteinander aller Menschen wünscht.
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