SWR4 Abendgedanken

10AUG2026
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Im Gespräch mit Menschen, die, so wie ich, auf der Suche sind nach Gott, also nach einem guten Weg für sich selbst und für das Miteinander mit anderen, geht es schnell darum, wie ich mir Gott vorstelle, welches Bild ich von Gott habe.

„Du sollst dir kein Gottesbild machen.“ Dieses Gesetz soll Gott seinem auserwählten Volk gegeben haben. Davon erzählt die Geschichte vom Auszug der Israeliten aus Ägypten. In Ägypten und in anderen Kulturen war es durchaus üblich, Standbilder von Göttern anzufertigen und diese anzubeten. Das Bilderverbot der Bibel will sich davon abgrenzen.

Aber dieses Bilderverbot hat noch eine tiefere Bedeutung: Kein Bild, das Menschen von Gott machen könnten, kann Gott umfänglich darstellen. Jedes Bild scheitert, weil Gott mehr ist, größer und anders, als das Bild es zeigt. Jedes Bild reduziert Gott ein Stück weit und auch das will das Bilderverbot verhindern.

Als Theologe kann ich dieses Verbot gut nachvollziehen. Aber was hat das mit meinem Alltag zu tun? Und hat das Bilderverbot auch eine Bedeutung für Menschen, die mit Gott gar nichts am Hut haben? Ich meine: Eine ganze Menge sogar!

Unsere Sprache arbeitet mit Bildern: Ein See liegt da wie ein Spiegel. Jemand freut sich, wie ein Schneekönig. Oder vor Aufregung zittert ein Kind, wie Espenlaub. Mit diesen Bildern drücke ich aus, was ich sehen, oder was ich fühle. Oder haben Sie wirklich schon einmal Schmetterlinge im Bauch gehabt?! Mit Hilfe von Bildern drücken wir uns aus und teilen uns anderen mit.

Und wir machen uns Bilder. Zum Beispiel macht sich ein Feuerwehrmann, wenn er am Einsatzort eintrifft, ein Bild von der Lage. Eine Therapeutin macht sich, beim ersten Kontakt mit einem neuen Klienten, ein Bild von dieser Person. Aber vielleicht gilt ja für die Lage am Einsatzort, oder für den Klienten dasselbe, wie für Gott? Vielleicht sieht der Feuerwehrmann nicht alles und ein Kollege kann etwas beitragen, das er bemerkt hat. Das Gesamtbild der Lage am Einsatzort wird dadurch vollständiger. Die Therapeutin mag einen Eindruck haben von der Person, die ihr gegenübersitzt. Aber wer kann einen anderen Menschen schon ganz erfassen? Bei dem, was ich wahrnehme, habe ich es immer mit Momentaufnahmen zu tun.

Vielleicht ist es ein guter Rat, den die Bibel anbietet, mit den Bildern, die ich mir mache, vorsichtig zu sein und für möglich zu halten, dass sie nur einen Ausschnitt zeigen, aber nicht alles. Vielleicht muss ich das Bild, das ich mir heute von jemandem gemacht habe, noch einmal überdenken. Denn was für Gott gilt, gilt für jeden Menschen: Er ist größer, er ist anders und er ist mehr als das, was ich sehe und beschreiben kann. Von daher ist es gut, wenn das Bild, das ich mir gemacht habe, nicht in Stein gemeißelt ist.

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