SWR Kultur Wort zum Tag

07AUG2026
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Zum neunten Mal in Folge hat Finnland das Rennen gemacht. Im internationalen Ländervergleich belegt es auch in diesem Jahr den ersten Platz im „World Happiness Report“, auf Deutsch „Glücksatlas“. Seit 2012 untersucht dieser von den Vereinten Nationen angeregte Forschungsbericht jährlich die Lebenszufriedenheit von Menschen weltweit.  Nun kann man von solchen Statistiken halten, was man will; auffällig finde ich aber schon, dass alle skandinavischen Länder dort unter den ersten zehn auftauchen: Island und Dänemark auf Platz zwei und drei, Schweden und Norwegen auf den Plätzen fünf und sechs. Und nur zum Vergleich: Deutschland kommt erst an siebzehnter Stelle.

Skandinavien-Reisende aus meinem Freundeskreis erzählen mir schon lange, dass Land und Leute eine total entspannende, entschleunigende, ja beglückende Wirkung auf sie haben. Ob diese spürbare Zufriedenheit etwas mit dem sogenannten Jante-Gesetz zu tun hat? Das habe ich gerade erst entdeckt. Jante ist der Name einer fiktiven Kleinstadt aus einem dänischen Roman, für die sein Autor Aksel Sandemose 1933 das Gesetz von Jante geschrieben hat. Den biblischen zehn Geboten nachempfunden, formuliert es in zehn Punkten den Verhaltenskodex, der dort gelten soll. Zusammengefasst etwa so: „Du sollst dich nicht für etwas Besseres halten!“ Ein Aufruf zu persönlicher Bescheidenheit auf der einen und einem starken sozialen Engagement auf der anderen Seite. Beides, erzählt mir mein Sohn, der seit ein paar Jahren in Schweden lebt, prägt dort das Zusammenleben: Angeberei, vor sich her getragenes Expertentum, allzu großer Ehrgeiz sind verpönt. Der Gemeinschaftsgedanke ist dagegen ausgeprägt und führt zu vielen sozialstaatlichen Leistungen. Das erinnert mich an weitere biblische Bezüge. Paulus zum Beispiel vergleicht die christliche Gesellschaft mit einem lebendigen Organismus. Er schreibt: „Es ist wie beim menschlichen Körper: Er bildet eine Einheit und besteht doch aus vielen Körperteilen. Deshalb kann das Auge nicht zur Hand sagen: Ich brauche dich nicht. Oder der Kopf zu den Füssen: Ich brauche euch nicht!“ Es ist vielmehr so: Jeder einzelne trägt sein Teil dazu bei, dass das Ganze funktioniert. Und anscheinend macht das nicht nur Sinn, sondern auch ausgesprochen glücklich.

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