SWR4 Abendgedanken
„Irgendwas“, hat sie gesagt, „irgendwas muss man doch hoffen!“ – Manuela ist eine Frau Mitte 50. Ihre Mutter war ein paar Tage vorher gestorben. Wir haben die Trauerfeier vorbereitet und da habe ich gefragt, ob die Mutter religiös war, gläubig in irgendeinem Sinne, ob wir das in die Feier aufnehmen sollen…
So sind wir ins Gespräch gekommen, die erwachsenen Kinder von Manuela, Manuela selbst und ihr Bruder und ich. Über die Kirche und schlechte Erfahrungen mit Gottes Bodenpersonal. Über christliche Werte, die man leben kann, auch wenn man „das alles nicht so glaubt wie in der Kirche“. Und irgendwann ist es aus Manuela herausgebrochen: „Irgendwas muss man doch hoffen!“ „Das kann doch nicht einfach aufhören. Das Leben. Sie kann doch nicht einfach weg sein! Für immer.“
Ihr Bruder blieb skeptisch. Nur weil man es sich wünscht, muss es ja nicht die Wahrheit sein. Die Enkel erzählten von eigentümlichen Erlebnissen, die sie seit dem Tod der Omi hatten. Ein Schmetterling, der sich an Omis Platz auf der Terrasse setzte. Ein Windhauch, der genau dann einsetzte, als sie anfingen, auf einem Spaziergang über die Omi zu reden… Einprägsame Gänsehautmomente.
Aber, da waren sich alle einig, keine Beweise.
Hoffnungszeichen nenne ich das. Und das war für alle ein gutes Wort. Und ich habe erzählt von meiner Hoffnung und davon, dass die seit tausenden von Jahren von so vielen Menschen geteilt wird.
Meine Hoffnung ist es, dass Jesus bereits auferstanden ist und dass er damit den Tod besiegt hat. Der Tod verliert seinen Schrecken, seinen Stachel, weil es danach weitergeht. Anders als jetzt, denn, das ist meine Hoffnung, Jesus hat den Weg frei gemacht, dass wir mit Gott selbst leben können. Alle. Zusammen. Das wird ein Wiedersehen!
Einer blieb skeptisch. „Wie muss ich mir das vorstellen?“ hat er gefragt. Mir gingen viele Bibelstellen durch den Kopf, die ich alle nicht zitiert habe.
„Sie kennen den Energieerhaltungssatz?“, habe ich stattdessen gefragt. „So grob“ war die Antwort. „Das reicht. Ganz grob besagt der Satz, dass Energie nicht verloren geht. Sie wird umgewandelt, aber sie geht nicht verloren. Mit der Persönlichkeit ist es ähnlich. Sie wird verwandelt. Was vergänglich war, wird unvergänglich, was endlich war, wird unendlich… Sie verstehen…“ Wenn wir in Gottes Liebe ankommen, wird die Lebensenergie eines Menschen verwandelt, aber sie bleibt erkennbar.
„Aha“ hat er gesagt.
“Ja“, habe ich gesagt. „Irgendwas muss man ja hoffen!“
© David Andreas Roth, Baptisten, Metzingen
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