SWR4 Abendgedanken
Einfach eingeschlafen – und das mitten im Gottesdienst. Nein nicht ich. Und es war eigentlich auch kein langweiliger Gottesdienst – glaube ich zumindest. Ein kleines Kind, vielleicht ein Jahr alt, ist einfach mittendrin eingeschlafen. Wir hatten einen Taufgottesdienst. Und wie es bei Kindern in dem Alter halt so ist, war es immer abwechselnd bei irgendwem auf dem Arm: Bei der Mama, beim Papa, bei der Oma und beim Opa. Dann wollte es ein bisschen rumkrabbeln. Irgendwann saß es dann ganz allein auf einem Sitzkissen auf dem Boden. Da hat es erst ein bisschen kritisch geschaut, hat dann aber gesehen, dass die ganze Familie immer noch da ist. Es hat sich sicher gefühlt, sich aufs Kissen gelegt und ist eingeschlafen. Mich hat das beeindruckt.
„Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln“ Diesen Psalm haben wir in dem Gottesdienst gebetet. Und ich habe gedacht. Genau. Dem Kind mangelt es gerade an nichts. Alles ist gut. So kann man ruhig schlafen.
Und mir? Mangelt es mir an etwas? Habe ich von irgendwas zu wenig in meinem Leben? Wenn ich ehrlich bin: eigentlich nicht. Ich habe ein Dach über dem Kopf, genug zu Essen und kann zusammen mit meiner Familie in Sicherheit leben. Ich glaube das geht vielen Menschen so. Und trotzdem habe ich bei vielen nicht das Gefühl, dass sie einfach nur glücklich sind. Ich ja auch nicht. Ich glaube: es geht uns oft mehr um das, was uns fehlt. Als um das, was wir haben. Überall springt mir in der Werbung oder in den sozialen Medien das „Zu wenig“ entgegen: zu wenig Schlaf, zu wenig Freizeit, zu wenig Sport und überhaupt zu wenig Zeit.
„Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.“ In diesem Bild von Schafen und einem Hirten ist es klar: Gras, Wasser, Sicherheit und ein Schaf ist zufrieden. Vielleicht sind die Grundbedürfnisse eines Schafes einfacher zu erfüllen als die von Menschen. Aber der Mensch, der dieses Gebet geschrieben hat, war sich sicher: Gott sorgt so für mich, dass ich zufrieden sein kann.
Mir ist in diesem Gottesdienst klar geworden, was auch in dem Gebet vom Hirten und den Schafen steckt: Dass ich mehr auf das achten könnte, was ich habe. Als auf das, was mir fehlt. Das Schaf denkt ja auch nicht, dass das Gras auf einer anderen Weide viel saftiger und das Wasser dort irgendwie frischer ist.
Ich glaube, wenn ich mich mehr über das freue, was ich habe, bin ich zufriedener. Ich habe, was ich brauche. Auch, wenn ich manchmal vielleicht gerne mehr Zeit oder mehr Geld hätte. Aber es mangelt mir an nichts. Da ist mir dieses Kind aus dem Gottesdienst ein echtes Vorbild.
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