SWR4 Abendgedanken
Manchmal geht es ganz schnell. Ein falscher Schritt, einmal kurz nicht aufgepasst und plötzlich liegt man auf dem Boden. So ist es mir neulich gegangen. Unser Hund ist erschrocken und wollte sich zwischen meinen Beinen verstecken. Das ging so schnell, dass ich gestolpert und hingefallen bin. Gott sei Dank habe ich mir nur das Knie und das Handgelenk aufgeschürft.
„Na da hattest du aber wirklich einen Schutzengel!“ – hat da meine Frau gemeint, als ich nach Hause gekommen bin.
Schutzengel. Für viele Kinder gehören sie ganz selbstverständlich dazu. Sie passen auf dem Schulweg auf, sitzen unsichtbar mit auf dem Fahrrad oder fangen einen auf, wenn man hinfällt.
Aber irgendwann verändert sich etwas. Wir werden groß, stellen Fragen und tun uns mit Engeln manchmal schwer. Engel passen nicht so recht in unsere aufgeklärte Welt. Und trotzdem begegnen sie uns, in der Bibel, in Liedern und manchmal auch mitten im Leben.
In der Bibel sind Engel vor allem Gottes Boten. Sie spielen oft dann eine Rolle, wenn Menschen nicht mehr weiterwissen. Dann schickt Gott einen Engel und die Geschichte wendet sich zum Guten. Dafür braucht es meist gar nicht viel: Etwas zu essen oder zu trinken. Oder ein tröstendes Wort …
Ich mag diese Engelsgeschichten sehr. Und ich glaube: Auch heute wirken Engel noch genau so. Nicht spektakulär. Nicht mit Flügeln und goldenem Licht. Sondern durch Menschen, die im richtigen Moment da sind. Jemand, der mir sagt: „Du schaffst das“. Jemand, der mich genau im richtigen Moment anruft. Oder durch jemand, der sagt: „Komm, ich begleite Dich ein Stück.“
Manchmal merke ich vielleicht erst im Rückblick, dass ich nicht allein war. Dass mich jemand aufgefangen hat. Dass mich jemand beschützt hat. Nicht vor allem Leid. Nicht vor jeder Verletzung. Aber doch so, dass es weitergehen kann.
Der Pfarrer Dietrich Bonhoeffer hat es so beschrieben: „Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag.“ Er spricht nicht ausdrücklich von Engeln. Aber von der Erfahrung, getragen und begleitet zu sein. Gerade dann, wenn vieles unsicher ist.
„Gott ist bei uns am Abend und am Morgen. Und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“ Dichtet Bonhoeffer weiter.
Ich muss nicht alles allein schaffen. Gott hat viele Möglichkeiten, mir nahe zu sein. Manchmal durch Menschen. Manchmal durch einen unerwarteten Gedanken. Manchmal durch eine Kraft, die ich mir selbst nicht erklären kann.
Und wer weiß: Vielleicht hatte ich da neulich ja wirklich einen Schutzengel. Jedenfalls bin ich sehr dankbar, dass der Sturz keine schlimmeren Folgen hatte – Gott sei Dank.
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