SWR3 Gedanken

06AUG2026
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Mein Freund Christian hat mir erzählt, dass er als Kind eine ganze Sammlung von Schlümpfen hatte. Die mussten immer ganz genau in der richtigen Reihenfolge stehen. Wenn jemand einen Schlumpf verschoben hat, konnte Christian nicht schlafen gehen, bevor nicht wieder alles ordentlich sortiert war.

Bis heute ist ihm diese Liebe zur Ordnung geblieben. Er kennt Regeln und Vorschriften oft erstaunlich genau. Und wenn etwas nicht so läuft, wie es vorgesehen ist, kann er leidenschaftlich darüber diskutieren. Manchmal sagen andere dann: „Nun sei doch nicht päpstlicher als der Papst.“

Als Christian mir von seinen Schlümpfen erzählt hat, habe ich ihm geantwortet: „Vielleicht geht es dir gar nicht in erster Linie um Regeln. Vielleicht magst du einfach Ordnung.“

Da musste er lachen und hat zugestimmt. Seitdem denke ich öfter darüber nach. Denn vieles von dem, was uns wichtig ist, halten wir zunächst für objektiv richtig. Wir glauben, dass es vernünftig ist. Oder logisch. Oder selbstverständlich. Dabei hat es oft damit zu tun, dass es uns selbst wichtig ist.

Der eine liebt Ordnung. Die andere schätzt Spontaneität. Der eine achtet auf Traditionen. Die andere freut sich über Veränderungen. Und oft wundern wir uns, warum die anderen das nicht genauso sehen wie wir.

Mit meinen Kindern habe ich oft dieses Spiel gespielt: „Ich sehe was, was du nicht siehst.“  Und ich finde, das ist ein erstaunlich kluger Satz. Denn er erinnert daran, dass jeder Mensch die Welt ein wenig anders wahrnimmt. Jeder entdeckt etwas, das dem anderen verborgen bleibt.

Deshalb, finde ich, sind Gespräche so wichtig. Nicht damit am Ende alle dieselbe Meinung haben. Sondern damit wir verstehen, warum dem anderen etwas wichtig ist: und sei es nur die richtige Reihenfolge von Schlümpfen.

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