SWR3 Gedanken

04AUG2026
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Wenn ich mit Eltern über die Taufe ihres Kindes spreche, höre ich oft einen Satz, der mich sehr freut. Nämlich, wenn die Eltern sowas sagen wie: „Nächstenliebe ist uns wichtig. Das wollen wir auch unseren Kindern weitergeben.“
Dann denke ich: Ja, klar! Was könnte auch wichtiger sein?

Schließlich hat schon Jesus gesagt, worauf es ankommt: Gott lieben und den Nächsten wie sich selbst. (Markus 12,29-31) Für viele Menschen gehört das einfach dazu. Man hilft einander. Man nimmt Rücksicht. Man lässt niemanden fallen.

Manchmal ertappe ich mich allerdings auch dabei, dass ich denke: Ist das nicht eigentlich selbstverständlich? So etwas wie das Mindestmaß menschlichen Zusammenlebens?

Aber dann höre ich doch tatsächlich andere Stimmen in meiner Umgebung oder in den Medien, die sagen:
„Die Starken müssen sich gegen die Schwachen durchsetzen.“ Oder: „Rücksicht ist nur ein Hindernis auf dem Weg des Fortschritts.“ Oder: „Wer erfolgreich sein will, darf sich nicht aufhalten lassen. Und überhaupt: Warum sollen die Starken für die Schwachen Verantwortung tragen?“ Und für viele ist dabei klar: Schwach sind immer die anderen.

Was Eltern sagen und vorleben, das werden die Kinder auch in aller Regel übernehmen. Ich weiß nicht, wie die Eltern, die ihre Kinder taufen lassen, sie dann erziehen. Aber wenn sie schon mal sagen: „Nächstenliebe ist uns wichtig“, dann will ich das doch gerne als hoffnungsvolles Signal verstehen. Nämlich, dass sie wirklich Nächstenliebe als das Wichtigste sehen, weil sie verstehen: Nächstenliebe ist nicht selbstverständlich und muss von jeder Generation weitergegeben und neu gelernt werden.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44954
weiterlesen...