SWR3 Gedanken
Gleichschritt ist gefährlich. Deshalb, dürfen laut Paragraf 27 Abs. 6 der Straßenverkehrsordnung Gruppen tatsächlich nicht im Gleichschritt über Brücken marschieren. Der Grund: Wenn viele im selben Takt gehen, können sich die Schwingungen ihrer Schritte gegenseitig verstärken. Was mit einem kleinen Wippen beginnt, kann im schlimmsten Fall so gefährlich werden, dass eine Brücke einstürzt.
Und ich denke: Im Zweifel ist es sowieso besser nicht im Gleichschritt zu gehen und schon gar nicht durchs Leben. Aber wie oft habe ich mich an andere angepasst. Sei es im Verhalten, bei den Klamotten oder im Geschmack.
Natürlich brauchen wir Zusammenhalt. Aber es wird schwierig, wenn alle nur noch im Gleichschritt unterwegs sind. Wenn alle gleich sind, geht die Vielfalt verloren.
Ich glaube: Gott hat jeden Menschen als ein Original geschaffen – mit einer eigenen Geschichte, eigenen Begabungen und einer eigenen Art zu denken und zu leben. Wir selbst sind es, die uns manchmal zu Kopien machen wollen, weil wir dazugehören möchten oder Angst haben, aufzufallen. Dabei sind es gerade die Unterschiede, die eine Gemeinschaft stark machen. Vielleicht ist es deshalb auch besser, wenn wir nicht alle im gleichen Takt über die Brücken unseres Lebens gehen, sondern jeder seinen eigenen Rhythmus findet. Und ich glaube, das können wir auch gut aushalten, dass Menschen ganz anders sind als wir selbst.
Denn in der Geschichte wurde schon so viel kaputt gemacht, weil Menschen blind im Gleichschritt gelaufen sind. Neues und Spannendes entsteht eher dort, wo Menschen eigene Wege gehen und ihren eigenen Rhythmus fürs Leben wagen.
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