SWR Kultur Lied zum Sonntag

02AUG2026
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Melancholische Melodien, ein Bandoneon und Rhythmen, die zum Tanzen einladen: diese Musik entstand am Ende des 19. Jahrhunderts in Buenos Aires unter den vielen oft männlichen Einwanderern, die dort unter schlechten Bedingungen in den Vororten lebten; arm und einsam, die großen Träume zerplatzt. Sie entwickelten neue Formen der Musik und der Poesie. Und einen neuen Tanz: den Tango. „Wir tanzen die Einsamkeit in uns, die wir durch nichts kompensieren können. Diese Lücke, in deren Leere wir Bewegung bringen, ist der Tango“, sagt der argentinische Tänzer Carlos Gavito. Und das Lied „Tenemos esperanza, wir haben Hoffnung“, ist ein Tango.

Tenemos esperanza …

Mit dem Tango bringe ich Bewegung in die Lücke. In die Lücke zwischen meinen Träumen und der Wirklichkeit, in die Lücke zwischen mir und den anderen, in die Lücke zwischen Mutlosigkeit und Hoffnung. Frederico Pagura schrieb 1979 das Lied „Tenemos esperanza“, „Wir haben Hoffnung“. Er war Bischof der methodistischen Kirche in Argentinien während der Militärdiktatur, einer Zeit brutaler Gewaltherrschaft. Pagura wollte den Menschen Mut machen. In Zusammenarbeit mit dem Komponisten Homero Perera aus Uruguay wurde aus seinem Text ein Tango. Ein argentinischer Tango, der von Jesus erzählt: Weil Jesus in unsere Geschichte kam, weil Jesus die Liebe ausgesät hat, weil Jesus auf der Seite der Machtlosen ist, darum sind wir heute voller Hoffnung. Darum blicken wir heut voll Vertrauen in eine neue Zukunft für uns alle.

In unser Leben, in unsre Geschichte
ist er gekommen, sie mit uns zu teilen,
und hat das Schweigen, hat die Angst zerbrochen
und unsre Dunkelheit in Licht verwandelt.

In einem unbekannten Stall geboren,
um Liebe auszusäen und neues Leben,
erstarrte Herzen endlich zu erweichen
und die zu stützen, die am Boden liegen.

Und darum sind wir heute voller Hoffnung
und darum kämpfen wir heut‘ ohne Zittern
und darum blicken wir heut‘ voll Vertrauen
in eine neue Zukunft für uns alle.

Und darum sind wir heute voller Hoffnung
und darum kämpfen wir heut‘ ohne Zittern
und darum blicken wir heut‘ voll Vertrauen
auf das, was kommt.

Dieses Tango-Lied bringt Bewegung in die Lücke. In die Lücke zwischen Angst und Mut, in die vielen Lücken zwischen Willkür und Gerechtigkeit, zwischen den verpassten Chancen und dem großen Glück. Das Lied lässt auch eine Lücke, eine formale Lücke. Die dritte Strophe ist nur halb so lang wie die ersten beiden. Ich höre sie als Bitte an mich: Bring diese Lücke in Bewegung. Füll sie mit deinem Leben. Mit deinen Ideen. Mit deiner Hoffnung.

Weil unsre Welt die Zeichen seiner Macht sah
über den Tod, die Angst und alle Lügen,
ist heute schon sein Wirken unaufhaltsam
und wird auf Dauer niemals unterliegen.

Und darum sind wir heute voller Hoffnung
und darum kämpfen wir heut‘ ohne Zittern
und darum blicken wir heut‘ voll Vertrauen
auf das, was kommt.

 

Musikangaben

Text: Frederico J. Pagura, 1979, Melodie: Homero R. Perera, 1979
Aufnahmen: Astor Piazolla, Libertango, Mailand 1974

Tenemos Esperanza
aus: 50 Anos Disco Conmemorativo (2013)

Interpreten: Grupo Evangélico Universitario (GEU)
Tenemos Esperanza, dt. Text: ÖRK
Durlacher Kantorei, Leitung und Klavier: Johannes Blomenkamp

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44951
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