SWR Kultur Wort zum Tag

05AUG2026
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„Verena Schlarb, Heidelberg-Wieblingen, evangelische Kirche“: Zum letzten Mal werde ich heute eine Radioandacht mit dieser Ortsangabe beschließen. Mein nächster Beitrag wird aus Mannheim kommen, wo ich eine neue Stelle antrete. Ich lebe gerade in einer Übergangszeit, wie viele zu Beginn der Sommerferien: ein Schuljahr ist vorbei, ein Semester, und für manche steht der Ruhestand ins Haus.

In den letzten Wochen habe ich viele letzte Male erlebt. Obwohl ich mich in meinem Leben schon oft verabschiedet habe, fällt mir das schwer. Und das, meine ich, ist auch angemessen. Bei jedem Abschied sind nämlich ganz unterschiedliche Gefühle im Spiel: Ich bin dankbar für das, was gut war. Ich schaue selbstkritisch auf das, was schief ging, auch auf Fehler, die ich gemacht habe. Mich schmerzt, was ungelebt geblieben ist, weil immer anderes dringlicher war.  

Manchmal bin ich auch traurig. Es ist schade, dass meine Zeit hier jetzt ein für alle Mal vorbei ist. Dann und wann gibt es Augenblicke, die fühlen sich an, als täte sich ein Abgrund auf. Auch das gehört wohl dazu.

Denn in diesen ganzen Abschiedsgefühlen spüre ich deutlicher als sonst, dass ich sterblich bin. Dass nicht nur ein Lebensabschnitt vorbei ist, sondern dass alles einmal enden wird. Das zu merken, ist unangenehm. Ich will das Gefühl eigentlich lieber wegschieben.  

Die Psychologin Verena Kast spricht vom „abschiedlichen Leben“: Um die Endlichkeit jeder Situation zu wissen, das sei in einem gewissen Sinne sterben zu lernen. „Gerade wenn wir sterben lernen, lernen wir auch zu leben“, sagt sie. Und: „Die Verdrängung des Todes kann für den einzelnen Menschen bedeuten, dass das Leben zu wenig gelebt wird, die Dringlichkeit des Sich-Engagierens im eigenen Leben nicht erkannt wird.“

Und ja, das passt: In Zeiten des Abschieds richte ich mich mehr als sonst nach dem, was mir wirklich wichtig ist. Ich treffe die Menschen, die ich treffen will. Ich akzeptiere, was ich nicht ändern kann. Ich weiß, was ich an Gutem habe und frage nach dem, was bleibt.

Zu einem abschiedlichen Leben gehört für Kast aber nicht nur die Sterblichkeit, sondern auch die Geburtlichkeit. Denn bei jedem Schritt, den wir gehen, tut sich auch Neues auf. Das ist ja das Schöne am Abschiednehmen: Die Zukunft ist offen. Auch das spüre ich: ein Kribbeln und Aufgeregt-Sein, eine Vorfreude und eine Verheißung. Manchmal auch etwas Angst – oder alles auf einmal. Abschiednehmen jedenfalls macht mich zutiefst lebendig.

In diesem Sinne verabschiede ich mich nun für dieses Mal von Ihnen: Verena Schlarb aus Heidelberg-Wieblingen von der evangelischen Kirche.  

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44943
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