Begegnungen

02AUG2026
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Sr. Raphaela Heimpel copyright: Manuela Pfann

Ich bin Manuela Pfann von der katholischen Kirche und erzähle heute von einer echten Wellness-Begegnung. Sommer, Sonne, 30 Grad – und am Ende baden im warmen Thermalwasser, in der Vinzenztherme im schwäbischen Bad Ditzenbach. Warum das auch im Hochsommer guttut, das erklärt mir die Leiterin der Therme, die Ordensfrau Schwester Raphaela Heimpel.

Wir haben die thermische Wärme, das bedeutet im Sommer schwitzt man nicht und im Winter friert man nicht. Thermische Wärme heißt 34,5 bis 35 Grad. Wenn Sie im Wasser sind, dann nimmt das Wasser die Körpertemperatur ab und dann schwitzen Sie nicht. Also es kann draußen 40 Grad haben, da sind sie goldrichtig in unserer Therme.

Das werde ich später ausprobieren. Sr. Raphaela führt mich zunächst zum Namensgeber der Vinzenztherme: Vor dem Bad steht eine kleine Büste aus weißem Muschelkalk. Die stellt den heiligen Vinzenz von Paul dar. Der hat vor über 400 Jahren eine Gemeinschaft gegründet, die sich vor allem um Kranke und Arme gekümmert hat. Daraus sind die Vinzentinerinnen hervorgegangen, jene Gemeinschaft also, zu der Sr. Raphaela gehört. Und die noch heute im Sinne ihres Gründers aktiv ist.

Wir begleiten das Leben von der Geburt bis zum Tod in unseren Einrichtungen, die wir als Vinzentinerinnen haben. Und hier haben wir vom Babyschwimmkurs bis über 90-jährige, die zu uns kommen.

Badegäste und Reha-Patienten. Denn neben dem Thermalbad ist Sr. Raphaela auch für zwei Reha-Kliniken verantwortlich. Da ist viel zu tun für die Betriebswirtin und Ordensfrau. Und manche Arbeitstage sind lang. Aber wenn’s ne Lücke im Terminkalender gibt, dann …

… hole ich schnell meine Thermalbadsachen, gehe in die Therme, tu ne halbe Stunde relaxen im großen Becken und es ist wie vier Wochen Urlaub.
Man kann die Augen schließen, dann hat man das Gemurmel überall rechts und links und das ist einfach entspannend. Also meinen besten Mittagsschlaf mache ich immer im Thermalbad.

In die Therme kommen vor allem Menschen mit Herzproblemen oder orthopädischen Erkrankungen. Das hat mit den besonderen Eigenschaften des Heilwassers zu tun. Sr. Raphaela findet, das hilft nicht nur dem Körper. Es tut auch der Seele gut.

Wenn sie im Wasser sind, wenn sie im Außenbecken sind, entspannen, da fließt einfach was ab, da wird was leichter.

Das Thermalwasser der Vinzenztherme kommt aus dem Muschelkalk 600 Meter unter der Erde; die Quelle ist mehrere tausend Jahre alt und bis heute unerschöpflich. Das finde ich faszinierend. Und mir gefällt es, wie die 63-jährige Ordensfrau diese Heilquelle beschreibt:

Das ist wie die unerschöpfliche Liebe Gottes, die wir empfangen; so kommt dieses Wasser. Seit 50 Jahren pumpen wir täglich 40.000 Liter in der Stunde raus an Wasser. Und der Spiegel hat sich nicht gesenkt. Das ist einfach ein Geschenk Gottes und der Natur.

Ich bin Manuela Pfann von der katholischen Kirche und treffe Sr. Raphaela Heimpel. Die arbeitet dort, wo andere Urlaub machen, im oberen Filstal auf der Schwäbischen Alb. Da leitet sie drei Einrichtungen ihrer Ordensgemeinschaft, der Vinzentinerinnen von Untermarchtal. Ein Thermalbad und zwei Reha-Kliniken.

Ich bin jetzt fünf Jahre da und es kommen immer noch jeden Tag neue Dinge, mit denen ich noch nichts zu tun gehabt habe. Und sie müssen einfach gesetzlich permanent sich weiterbilden, gucken, was ändert sich?  Alle drei haben eine unterschiedliche Vergütungssystematik, man muss den Markt beobachten. Und das ist was, was mir persönlich sehr viel Spaß macht, weil jeder Tag ist anders.

Als Frau, als Ordens-Frau ohnehin, ist sie in ihrer Branche eher eine Ausnahme, wenn sie in den Fachausschüssen und Vorstandsgremien sitzt.

Und dann ist‘s immer nett, wenn ich dann komme. Da sind ja meistens ganz viele Männer. Und dann sagen sie mir schon: „Jetzt kommt die Schwester, jetzt müssen wir uns zusammennehmen.“ Dann schmunzele ich immer, ja.

Ich kann mir gut vorstellen, dass Sr. Raphaela da respektiert wird und deutlich sagt, was sie denkt.

Ich bin einfach direkt und spreche die Dinge an und ich finde, es lebt sich leichter, wenn man Klarheit hat.

Schwester Raphaela hat Verantwortung für fast 300 Mitarbeitende, das ist ein echter Managerinnen-Job! Auf mich wirkt sie trotzdem ausgeglichen, positiv. Was kann ich von ihr lernen? Wie sorgt man gut für sich, wenn‘s mal wieder rund geht und viel ist?   

Ich glaube, wichtig ist, dass jede jeder sich selber wenigstens ein paar Minuten am Tag schenkt. Also echte Entspannung, da braucht man ja keine 14 Tag dazu. Ja, die wichtigen Dinge passieren ja im kurzen Augenblick. Unsere heilige Luise, unsere Ordensgründerin, sagt immer: „Geh mutig von Augenblick zu Augenblick.“

Die heilige Luise – das ist Luise von Marillac. Zusammen mit dem heiligen Vinzenz von Paul hat sie damals die erste Frauengemeinschaft gegründet, die sich um Bedürftige kümmert – eben die Vinzentinerinnen.
Sr. Raphaela schenkt sich jeden Morgen Zeit. Für die Stille und das Gebet. Und, um zusammen mit den Mitschwestern zu frühstücken. 

Es ist unsere persönliche Entscheidung, wie wir den Tag füllen. Also ich zum Beispiel habe meine ersten Termine immer erst um neun Uhr fünfzehn. Ich sage immer, davor tut es den anderen nicht gut und mir nicht gut.

Mein Tag wird jetzt im Thermalbad zu Ende gehen, dem Rücken wieder mal was Gutes tun und die Gedanken ziehen lassen. Zur Zielgruppe der Therme pass ich auf jeden Fall und liege vom Alter her wahrscheinlich in der Mitte – zwischen Babyschwimmkurs und den über 90-jährigen.

Ich sage immer wir sind ein Mehrgenerationenbad. Da haben alle Platz. Und da sind wir dann bei der vinzentinischen Spiritualität. Weil der heilige Vinzenz sagt immer: Platz geben! Den Menschen Platz geben. Egal welches Alter, welche Beschwerden, welche Lebensgeschichte, welche Farbe, welche Religion völlig egal - den Menschen Platz geben.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44937
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