Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

13AUG2026
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Wenn ich mit mehreren Menschen an einem Tisch zum Essen sitze, achte ich darauf am linken Tischende zu sitzen. Ich bin Linkshänderin und Suppe löffeln mit der rechten Hand, das kann ich gar nicht. Und dann wird es neben einer Rechtshänderin in der Tischmitte schon mal eng.

Heute ist Weltlinkshändertag. Ich bin 1972 geboren und im Kindergarten haben die Erzieherinnen nur kurz versucht mich auf die rechte Hand umzutrainieren. Schnell haben sie es aufgegeben, denn meine linke Hand ist stark und ich habe mich auch geweigert, wie gut. In der Grundschule habe ich schnell gelernt, wie ich mit dem Füller schreiben kann, ohne alles zu verwischen. Kopfnüsse von einem sehr alten Lehrer gab es dennoch. Meine Schrift sei gar nicht schön und das hat er mich auch spüren lassen. Meine Eltern haben mich in meinem Linkshänderin-Sein sehr unterstützt. Sie waren selbst Linkshänder, wurden in ihrer Kindheit noch umerzogen und haben darunter gelitten.

Den Weltlinkshändertag gibt es seit 1976. Der US-Amerikaner Dean Campbell hat ihn damals eingeführt, um auf uns Linkshänder aufmerksam zu machen. Was heute selbstverständlich ist, nämlich dass Menschen mit links schreiben und die linke Hand im Alltag bevorzugt nutzen, galt lange als schlecht. Daran hat auch eine Geschichte aus der Bibel Anteil. In der Erzählung vom Weltgericht werden Menschen am Ende ihres Lebens nach ihren Taten beurteilt. Wer anderen mit Liebe begegnet, der kommt auf die rechte Seite von Christus. Und die wird als gut bezeichnet. Wer lieblos gelebt hat, der kommt auf die linke Seite. Und die ist schlecht. Liebe zu verschenken, solange man lebt, das ist immer gut und richtig! Aber mit der Erzählung vom Weltgericht wurde Menschen über Jahrhunderte hinweg Angst gemacht und das ist falsch und passt nicht zu einem Gott, der die Liebe ist. Und noch dazu diese Geschichte als Begründung zu benutzen, dass die linke Hand minderwertiges und schlecht ist, das ist wirklich unsinnig.

Heute dürfen Kinder mit der Hand schreiben, die für sie die Richtige ist. Gerade in der ersten Schulwoche ist es gut, daran noch einmal zu erinnern.

Und am Ende zählt nicht, welche Hand wir benutzen.  Entscheidend ist, was wir mit unseren Händen tun – Sie ausstrecken und anderen die Hand reichen.

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