SWR Kultur Wort zum Tag
Der Klimawandel ist eine Tatsache. Das anzuerkennen, ist keine Frage der politischen Gesinnung. Genauso wenig wie Klimaschutz für eine bestimmte politische Richtung reserviert ist. Wer an Gott als den Schöpfer glaubt, dem muss die Schöpfung heilig sein. Jeder, der bei Trost ist, sollte sich eingestehen: Wir müssen etwas tun, damit sich die Erde nicht weiter erwärmt. Wir müssen von den fossilen Brennstoffen wegkommen. Jeder kann etwas dafür tun.
Das zeigt ein Verein, der sich hauptsächlich an die richtet, die zum konservativen Spektrum in unserer Gesellschaft gehören. Ein Verein, der nicht ohne Grund „Heimatwurzeln“ heißt, weil er vor allem die bürgerliche Mitte ansprechen will. Landwirte und kleinere Unternehmen in Familienhand. Dort gibt es ein starkes Misstrauen gegenüber der Klimapolitik. Weil die Sorge vorherrscht, die eigenen Lebenshaltungskosten könnten dadurch noch mehr steigen und man müsste an sein Erspartes ran. Der Verein „Heimatwurzeln“ hat es sich zum Ziel gesetzt, diese Denk-Blockaden aufzulösen. Er bietet deshalb Abende an, an denen Interessierte von Anfang an dabei sind, wenn ein Projekt entsteht; das schafft Vertrauen. Denn wer sich nicht mitgenommen fühlt, wem Vorwürfe gemacht werden, der läuft eher in die Hände von Klimaleugnern und Populisten. Eine Gesellschaft, die sich weiter polarisiert, wird die Ziele der Klimapolitik nicht erreichen. Im Grunde muss es sich lohnen dabei mitzumachen, dann ist Klimapolitik attraktiv.
Ich bin auf den Verein aufmerksam geworden, weil ein ehemaliger Schüler von mir dort arbeitet. Er weiß, dass auch in den traditionellen Kirchengemeinden oft Skeptiker sind. Die bürgerliche Mitte gibt auch dort den Ton an. Es ist deshalb gut, Brücken zu schlagen – am besten in Form von einfachen Projekten, in denen sich die Leute selbst engagieren können. Ein Projekt von Heimatwurzeln heißt „Lecker, nachhaltig und von nebenan“. Die Teilnehmerinnen haben gelernt, wie Ernährung, Garten und Landwirtschaft miteinander verbunden sind. Da geht es um Dinge, die früher selbstverständlich waren: wenig wegwerfen, Gemüse haltbar machen, regional einkaufen. Wenn Lebensmittel nicht weit transportiert werden müssen, das ist gut fürs Klima.
Politiker müssen die Weichen stellen. Entscheiden muss ich am Ende selbst: wie und wohin ich in den Urlaub fahre, ob ich öffentliche Verkehrsmittel nutze, wo ich Energie einspare. Wenn am Ende auch die ein gutes Gefühl haben, die erst skeptisch waren – dann hat’s funktioniert, und der Klimaschutz ist in der eigenen Heimat verwurzelt.
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