SWR Kultur Wort zum Tag
Sie hatten ein schwieriges Verhältnis. Jesus, der Christus, und Simon Petrus. Der Chef und sein Abteilungsleiter. Missverständnisse und Enttäuschungen pflastern den Weg der beiden. Ich spreche heute darüber, weil ich Konflikte für den Normalfall halte. Wo Menschen zusammenleben und -arbeiten, gibt es unterschiedliche Auffassungen. In der Kirche ist das nicht anders. Und es ist mir wichtig, das einmal ausdrücklich herauszustellen.
Immer wieder wird Petrus zudringlich, wenn es darum geht, seinem Chef besonders nahe zu sein. Dass der ihm die Füße wäscht, beim Letzten Abendmahl, genügt ihm nicht. Nein, auch die Hände, bitte schön, und den Kopf[1]. Jesus verweigert ihm das, wohl auch, weil er ihm den schon an anderer Stelle wiederholt gewaschen hatte.
Jesus ist nicht zimperlich, wenn er sich über Petrus ärgert. Gerade weil er ihm viel Verantwortung gegeben hat, erwartet er von ihm auch mehr. Einmal bezeichnet er ihn sogar als „Satan“ und weist ihn schroff ab: Weg von mir, denn du willst, was Menschen wollen, nicht was Gott will[2]. Petrus hat das wohl anders gesehen, denn bewusst hätte er sich kaum gegen seinen Chef gestellt.
Mit großem Vertrauensvorschuss hat Jesus gerade den Fischer Petrus als Ersten ins Jünger-Team berufen. Der ist der Richtige, der kann das. Allerdings reicht es offenbar nicht, dass Petrus alles stehen und liegen lässt. Immer wieder muss er seinen Glauben, seine Treue unter Beweis stellen. Einmal wäre er dabei fast ertrunken. Aber nur fast. Jesus reicht ihm die Hand und verspottet ihn als „Kleingläubigen[3]“.
Am Ende leugnet Petrus, überhaupt zur Firma „Gott & Sohn“ zu gehören. Als ihm klar wird, dass Jesus in den Untergang steuert, rennt er weg und taucht erst wieder auf, als er davon hört, es sei etwas Unglaubliches geschehen: Der Tote lebe. Dann rennt er von neuem los, weil er so ein emotionaler Typ ist und nie wirklich aufgehört hat, seinen Herrn und Meister zu lieben. Trotz allem, was zu Lebzeiten davor passiert ist.
Es entlastet mich zu sehen, dass es schon bei Jesus keine heile Welt gab. Streit und harte Worte gehören auch dort zur Tagesordnung. Am Ende gibt es bei Jesus und Petrus aber immer Versöhnung. Sie ringen miteinander. Der Obere aber lässt den Unteren nicht fallen. Er sieht, dass er daran wächst und entzieht ihm nie das Vertrauen. Das ist ein Unterschied, und der ist entscheidend.
[1] Johannesevangelium 13,9
[2] Markusevangelium 8,33
[3] Matthäusevangelium 14,31
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