SWR Kultur Wort zum Tag

27AUG2026
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Die durchschnittliche Lebenserwartung von Männern in Deutschland ist 79 Jahre. Ich bin jetzt 62.

Nun könnte ich anfangen zu rechnen und zu planen. Was ich noch alles erleben will, welche Reise ich schon lange im Sinn aber nie in die Tat umgesetzt habe. Ich könnte mir Ziele setzen, die ich konsequent abarbeite. Aber all das werde ich nicht tun. Erstens, weil ich so über viele Jahre hinweg gelebt habe, und es mir nicht immer gut damit ging. Zweitens, weil es den folgenden Satz von Jesus gibt: Sorgt euch also nicht um morgen; denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen. Jeder Tag hat genug an seiner eigenen Plage[1]. Ich betrachte diesen Satz als eine enorme Herausforderung, weil ich ganz oft an morgen und übermorgen und noch viel weiter denke und plane. Und gleichzeitig halte ich es für absolut richtig, im Heute zu leben. Nicht in den Tag hinein, ohne etwas Gutes zu tun. Das ist nicht damit gemeint. Ich habe schon an das Ende gedacht, habe ein Testament, eine Vorsorgevollmacht und eine Patientenverfügung. Gleichzeitig denke ich aber auch: Wenn es morgen so weit wäre, Thomas, könntest Du dann sagen: „Es war gut, Dein Leben?“ Ja, alles in allem, trotz aller Probleme und Schwierigkeiten, die es auch bei mir gibt, könnte ich sagen: „Ja, mein Leben war gut.“ Und den Plagen, die Tag für Tag kommen werden, die ich nicht kenne, stelle ich mich.

Was also tue ich heute? Wie jeden Morgen gehe ich mit meinem Hund Gassi. Da brauche ich nichts zu entscheiden, es ist immer so. Manchmal ist es eine Plage, weil ich lieber etwas anderes tun würde, oft ist es mit das Schönste vom ganzen Tag, weil ich draußen an der frischen Luft bin, andere Hunde und deren Besitzer treffe, den Kopf frei bekomme. Dabei kommen mir die besten Ideen. Und außerdem weiß ich, dass es für meinen Hund einer der Höhepunkte seines Tages ist. Anschließend telefoniere ich mit meiner Mutter, die inzwischen auf etwas mehr Unterstützung angewiesen ist. Wir haben meistens nichts Weltbewegendes zu besprechen, geben uns nur das Gefühl, dass wir füreinander da sind. Dann nehme ich mir Zeit für die Nachrichten des Tages. Damit ich nicht um mich kreise, und meine kleine Welt nicht wichtiger nehme als die große. Meistens vermische ich das mit dem Beten und lege Gott die Sorgen und Nöte ans Herz, die ich wahrnehme. Zwischendurch arbeite ich, und muss dabei doch auch Dinge planen, für die ich nicht allein verantwortlich bin. Aber auch bei denen hilft mir der Jesus-Satz: Mach heute, was geht. Mach es, so gut du kannst. Sei in der Gegenwart. Und dann … ist morgen auch noch ein Tag.

[1] Matthäusevangelium 6,34

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