SWR Kultur Lied zum Sonntag

23AUG2026
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Krieg ist für mich das Schlimmste, was ich mir vorstellen kann. Weil dabei Menschen sterben. Direkt durch Waffengewalt; indirekt, weil Geld in immer weiter steigenden Rüstungsausgaben sinnlos verpulvert wird; Geld, das woanders gebraucht würde, damit Menschen überleben. Das Leben eines Menschen zu nehmen ist im Wortsinn eine Tod-Sünde. Es trennt von dem Gott, den Jesus als einen verkündet hat, der Leben schenkt.

Krieg ist böse. Als Christ muss ich das aussprechen. Immer wieder. Wer andere überfällt, wer Menschenleben opfert, ist böse. So auch der erste Weltkrieg, in dessen Kontext das Lied dieses Sonntags entstanden ist.

Zogen einst fünf wilde Schwäne,
Schwäne leuchtend weiß und schön.
„Sing, sing, was geschah?“
Keiner ward mehr gesehn.

Ich habe dieses Lied in der Schule kennen gelernt. Mein Geschichtslehrer hatte zum Krieg eine klare Meinung: Er hat ihn verachtet wie nichts anderes. Und hat sich deshalb viel Zeit genommen, um uns die Hintergründe zu erklären, die zu den beiden Weltkriegen im 20. Jahrhundert geführt haben. Er hat uns regelrecht eingebläut: So etwas darf nie wieder geschehen! Und wir Deutschen haben dabei eine besondere Verantwortung. Wir Jungen, die nachkommen, müssen das zu einer Lebensaufgabe machen. Mein Lehrer lebt nicht mehr, aber ich stelle mir zuweilen vor, was es in ihm ausgelöst hätte: dass wir wieder aufrüsten, dass der Krieg so zum Alltag gehört, wie er und ich das nie für möglich gehalten hätten.

Zogen einst fünf junge Burschen
stolz und kühn zum Kampf hinaus.
„Sing, sing, was geschah?“
Keiner kehrt nach Haus.

Weder der Dichter des Textes noch der Melodie sind bekannt. Irgendjemand soll es 1908 einem Lehrer in Westpreußen vorgesungen haben, der Volkslieder sammelte. Nach dem Ersten Weltkrieg ist es dann im Druck erschienen und hat bald einen Platz als Anti-Kriegslied eingenommen. Die Menschen waren ernüchtert, und das Lied hat ihre Stimmung getroffen.

Wilde Schwäne, junge Birken, Mädchen und Burschen – sie sind voller Hoffnung und Kraft. Aber was geschieht? Die Schwäne kommen nicht mehr zurück, genauso wenig wie die Burschen, die Birken blühen nicht, die Mädchen heiraten nicht. Etwas Schreckliches muss geschehen sein, das aber nicht ausgesprochen wird. Jede Strophe endet mit derselben lakonischen und offenen Anmerkung: „Sing, sing, was geschah…!“ Alle Erwartungen werden enttäuscht. Die sonst so schlichte Melodie vollführt an dieser Stelle einen außergewöhnlichen Sprung. Eine kleine Septime. Ein Intervall, das so nicht stehen bleiben kann, ohne dass es weh tut. Ein Klang, der danach schreit, sich aufzulösen. Der Krieg zerstört alles. Die Jugend, die Natur, die Zukunft eines Landes. Davon darf man nicht schweigen. Das muss weitererzählt werden. Ich meine, es hätte auch einen Platz in den kirchlichen Gesangbüchern verdient. Weil doch einem Gott, der Mensch wird, nichts Menschliches fremd ist.

Wuchsen einst fünf junge Mädchen
schlank und schön am Memelstrand.
„Sing, sing, was geschah?“
Keins den Brautkranz wand.

M0056018  01-005 3‘22

Zogen einst fünf wilde Schwäne

Kein schöner Land N. N.; Plenzat, Karl; ... Zupfgeigenhansel

AMS M0609151(AMS) 01-015 3'16

Zogen einst fünf wilde Schwäne

Die LingoBarden

Deutsche. Lieder.

AMS M0357138(AMS) 01-002 4'29 4'29

Zogen einst fünf wilde Schwäne

Kultursommer 1997: Franz Josef Degenhardt und seine Freunde auf der Burg Waldeck:

Hannes Wader, Chris Jones

Traditional

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44929
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