Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

08AUG2026
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Viele Hirnforscher sagen, dass man besser nachdenken kann, während man sich bewegt. Ich finde, da ist was dran. Wenn ich gut nachdenken muss, dann gehe ich gerne auf und ab.

Der Heilige Dominikus hat das auch so gemacht. Und weil´s mit dem Beten ähnlich wie mit dem Nachdenken ist, hat er beim Beten gerne seinen Körper eingesetzt, dass es nicht so verkopft zugeht. In einem Büchlein aus dem Jahr 1280 ist das alles aufgeschrieben und gezeichnet worden. Es heißt „Wie Dominikus mit dem Körper gebetet hat“.

Ich habe mir die Bilder mal genau angeschaut und es gleich ausprobiert. Das erste Bildchen zeigt Dominikus, wie er sich tief verneigt. Also stelle ich mich gerade hin und beuge den Oberkörper weit nach unten. Wenn ich so gekrümmt da stehe, und es zwickt im Kreuz und im Bauch, da spüre ich auf einmal die Sehnsucht mich einfach fallen zu lassen. Vielleicht ist das sogar die Sehnsucht meines Lebens: mich fallen lassen können, allen Druck von mir nehmen. Und sicher sein, dass mich jemand auffängt, dass es ein starker Arm schon irgendwie regeln wird.

Auf dem nächsten Bildchen liegt Dominikus flach ausgestreckt mit dem Kopf zum Boden. Von der vorigen Übung bin ich sowieso schon fast unten. Immer wenn ich das mache, könnte ich fast ein bisschen wegdösen, wenn es da unten nicht so hart wäre. Hart ist es für viele. Mir gehen die durch den Kopf, die immer so schlafen müssen. Die, die ganz unten sind, auf denen herumgetrampelt wird. Ich weiß, dass ich kaum was daran ändern kann, aber beten kann ich für sie.

Auf einem weiteren Bild steht Dominikus wieder aufrecht und bildet mit seinen Handflächen eine Schale. Auch ich stehe jetzt da mit dieser Geste und bin offen und neugierig dafür, was mir von oben zufällt. Manchmal empfange ich kleine Glücksmomente. Aber es gibt auch Schweres, was mich trifft. Die Schale ist ein Zeichen dafür, dass ich offen dafür bin. Dankbar für das Leichte und verantwortungsvoll mit dem Schweren.

Die letzte Gebetshaltung für heute Morgen ist die unauffälligste. Sie heißt „vor Gott sitzen und schweigen“. Körperlich kein Problem, aber für den Geist äußerst knifflig: ruhig werden und an rein gar nichts denken. Was man da alles hört!

Das war die kleine Gebetsgymnastik mit Dominikus. Ich fühle mich danach auf jeden Fall gut verbunden mit mir, mit der Welt und mit Gott.

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