Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP
Bei einem Bekannten wurde vor kurzem der Garten neu angelegt. Was vorher nur Rasen bzw. Wiese war, hat jetzt ein klares Konzept. Es gibt Beete für viel Gemüse und Obst, eine Rasenfläche und auch Platz für eine Blumenwiese. Es ist ein kleines Idyll mit großer Vielfalt.
Das denkt sich wohl auch ein Maulwurf. Der ist nämlich nach der Umgestaltung eingezogen. Bereits im Herbst schaufelte er fröhlich vor sich hin und türmte einen Hügel nach dem anderen auf.
Neulich treffe ich den Mann, dem der Garten gehört, und wir kommen zufällig auf den Maulwurf zu sprechen. Bereits das Wort löst bei ihm eine große Portion an Ärger aus. Erst sage ich noch: „Ist doch super: der Maulwurf gräbt die Erde um und zaubert damit eine super lockere Erdqualität.“ Aber dies besänftigt ihn gar nicht. Er sagt: „Man wird ihn einfach nicht los und umbringen oder vergiften darf man ihn nicht.“ Hola die Waldfee!
Mich erstaunt wie heftig er sich ärgert. Meine Freundin meint: „Na ja, vielleicht stört ihn, dass er ihn nicht kontrollieren kann. Der Mann plant, tut und macht, steckt viel Schweiß und Arbeit in die Optik des Gartens. Und dann kommt da so ein dahergeschaufelter Maulwurf und bringt die Ordnung durcheinander.“
Ich finde Maulwürfe ja ganz entzückend. Wenn man mal einen zu Gesicht bekommt, sehen sie total süß aus. Und sie essen im Jahr etwa 37kg Fleisch, so zum Beispiel Schnecken, Raupen und sogar Wühlmäuse. Da müsste doch eigentlich jedes Gärtnerinnenherz höher schlagen.
Wie nützlich ein Lebewesen ist, ist aus meiner christlichen Perspektive allerdings gar nicht das Hauptargument für ein entspanntes Miteinander. Der Maulwurf hat schlicht und einfach in dieser Schöpfung ein Existenzrecht und ich tue gut daran, das Miteinander zu pflegen. Als Mensch bin ich schließlich nicht Chef des Ganzen und habe daher auch nicht die Kontrolle über alles. Stattdessen ist es mein Auftrag auf das Ganze aufzupassen.
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