SWR Kultur Wort zum Tag

25AUG2026
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„Der Friedhofsclown ist heute da.“ Das steht jeden Mittwochmorgen in großen Buchstaben am Eingangstor des Erfurter Hauptfriedhofes. Und wer sich jetzt fragt, was ein Clown auf einem Friedhof zu suchen hat, bekommt eine Antwort, wenn man „Finovo“ kennenlernt. Das ist der Name des Erfurter Friedhofsclowns. Dahinter steckt die Theologin und Trauerbegleiterin Katrin Lehmann-Buss. Sie hat lange nach einer Möglichkeit gesucht, auf dem Friedhof ein Angebot zu machen. Mit ihrer Person, aber nicht so klassisch, á la: wollen Sie reden? Der Clown Finovo ist leise und tastet sich ran. Manchmal gesellt er sich einfach dazu, wenn jemand mit hängenden Schultern über den Friedhof geht. Ein anderes Mal packt er seine kleine Harke aus und hilft der älteren Witwe das Grab ihres Mannes sauber zu machen. Hin und wieder schrubbt er auch einen Grabstein, oder er schenkt Kindern einen Stein mit einem lachenden Clownsgesicht, obwohl sie am Grab ihres toten Geschwisterchens stehen. Der erste Kontakt ist meistens leise oder sogar ganz still, vorsichtig.
Katrin Lehmann-Buss erlebt, dass die Menschen neugierig auf sie sind, oder besser gesagt: auf Clown Finovo. Nach ersten skeptischen Blicken nehmen sie den Clown und sein Gesprächsangebot an, und es kommt oft vor, dass sich die Seele bei Finovo Luft macht, und die Menschen erzählen, was Ihnen auf dem Herzen liegt und im Kopf rumgeht.
Die Theologin arbeitet in einem Trauer- und Traumatherapiezentrum, und sie war auf der Suche nach einem unkonventionellen Angebot, um Menschen in Trauer zu begegnen und für sie da zu sein. Dazu scheint ihr die Figur eines Clowns ideal. Dabei ist ihr klar, dass der Friedhof kein Zirkus ist, und sie möchte die Situation keineswegs lächerlich machen, im Gegenteil. Katrin Lehmann-Buss erzählt: „Der Clown zaubert durch seine Art, die Dinge anzugehen, Menschen ein Lächeln aufs Gesicht. Und genau das brauchen Menschen, auch wenn sie traurig sind.“ Dabei will sie die Trauer nicht weglächeln, sondern für einen Moment erreichen, dass es nicht ganz so schwer ist. Und ein Lächeln ermöglicht immer einen nächsten Schritt, das hat sie erfahren. Dieser Schritt kann ganz unterschiedlich aussehen: über den Verstorbenen erzählen, weinen, wütend sein oder sogar das Lieblingslied der Verstorbenen singen. Das passiert wirklich manchmal auf dem Friedhof.

Der Name „Finovo“ steht dabei für Ende „Fin“ und Neuanfang „novo“. Und das in doppeltem Sinn: Wenn jemand Liebes gestorben ist, müssen die Hinterbliebenen neu anfangen. Und die Verstorbenen machen auch einen Neuanfang. Ich glaube ja fest: einen göttlichen.

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