SWR4 Abendgedanken

05AUG2026
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„Komm, kleine Schnecke, mach hinne…“ Unzählige Male habe ich als kleines Mädchen diesen Satz gehört. Manchmal wurde der Satz auch abgewandelt und Klartext gesprochen: „Beeil dich!“ Meine Eltern haben mich versucht mit diesen Aussagen zu motivieren und anzutreiben.

Heute und damit Jahrzehnte später fallen mir diese Sätze wieder ein. Erst vor kurzem habe ich nämlich einen Vortrag dazu gehört. Ich wurde eingeladen, meinen eigenen Antreibern auf die Spur zu kommen: Was treibt mich an? Was waren elterliche Forderungen, die es mir ermöglichen sollten „gut durchs Leben zu kommen“?

Vermutlich kennt jeder Mensch solche elterlichen Forderungen, die einen als Kind antreiben sollten. Bei den einen war es „Beeil dich“ oder „Sei perfekt“. Bei anderen hieß es vielleicht eher „Sei stark!“, „Streng dich an“ oder „Mach´s allen recht“. Solche Sätze prägen einen das ganze Leben.

Und seit diesem Vortrag weiß ich: ich habe diese Forderungen komplett verinnerlicht. Manche mehr, manche weniger. Doch sie beeinflussen mich und wie ich in verschiedenen Situationen reagiere. Vor allem, wenn ich gestresst bin oder in Konfliktsituationen. Dann übernehmen häufig automatisch meine Antreiber. Desto gestresster ich bin, umso schneller muss es gehen. Ich werde dann immer ungeduldiger und denke mir „jetzt macht doch mal hinne. Geht das nicht schneller?!“

Für mich ist es deshalb wichtig, ab und zu auf Abstand zu meinen Antreibern zu gehen. Mein Handeln zu überdenken, so wie es Paulus seiner Gemeinde in Rom empfiehlt: „Gebraucht euren Verstand in einer neuen Weise und lasst Euch dadurch verwandeln. Dann könnt ihr beurteilen, was dem Willen Gottes entspricht: Was gut ist, was Gott gefällt und was vollkommen ist. (…) Überschätzt euch nicht und traut euch nicht mehr zu, als angemessen ist. Strebt lieber nach nüchterner Selbsteinschätzung.“ (Römer 12,2-3)

Bisher hatte ich mir nie überlegt, woher dieses „Beeil dich“ herkommt. Besonders spannend finde ich, dass jeder Mensch unbewusst durch solche Sätze angetrieben wird. Das war mein Aha-Moment. Antreiber wirken nämlich innerpsychisch. Tief innen haben wir die Vorstellung, dass wir nicht okay sind und etwas Schlimmes passieren wird, wenn wir unseren Antreibern nicht folgen.

Dabei waren solche elterlichen Forderungen eigentlich gut gemeint. Doch mit einem „immer“ verbunden, wird die negative Seite sichtbar. Wer kann schon immer perfekt oder stark sein? Sich immer beeilen? Niemand kann das.

Und deshalb ist es gut, ab und zu innezuhalten oder wie es Paulus sagt, nach nüchterner Selbsteinschätzung zu streben.

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