SWR4 Abendgedanken
Die Sommerzeit ist schon etwas Wunderbares. Alles läuft etwas langsamer und ruhiger. Viele Menschen sind verreist, andere gerade frisch aus dem Urlaub zurück. So wie ich. Wir waren in Ostfriesland im Urlaub. Das war einfach wunderbar: Die salzige Luft. Das Meer. Ob Regen oder Sonne. Immer eine ordentliche Brise Wind.
Einfach perfekt, um sich mal so richtig durchpusten zu lassen. Der Wind zerzaust die Haare. Mein Kopf wird frei und ich atme durch. Lasse alles los, was mich umtreibt. Beschäftigt oder belastet. Solche Ruhezeiten sind wichtig. Egal, ob man zuhause ist, oder verreist. Jeder Mensch braucht Ruhephasen. Zeit, um mal durchzuatmen und innezuhalten.
Kohelet schreibt in der Bibel: „Besser eine Hand voll mit Ruhe als beide Fäuste voll mit Mühe und Haschen nach Wind.“ (Kohelet 4,6)
Es ist nicht bekannt, wer dieser biblische Kohelet ist. Ist er ein Versammlungsleiter oder ein Prediger? Ist es überhaupt ein Mensch oder handelt es sich um eine fiktive Person?
Doch wer auch immer diese Worte schreibt, ist intellektuell und gebildet. Vermutlich ein Philosoph und jüdischer Lehrer in einer Weisheitsschule. Denn Haschen nach Wind macht ja wirklich keinen Sinn. Also besser eine Hand voll mit Ruhe.
Ich finde Kohelets Worte hoffnungsvoll. Sie nehmen den Stress und Druck raus. Das fällt mir besonders auf, wenn er über die menschliche Arbeit schreibt: „3,1Für alles gibt es eine bestimmte Stunde. Und jedes Vorhaben unter dem Himmel hat seine Zeit. (…) 4,4Ich richtete meinen Blick auf die menschliche Arbeit und auf das, was bei aller Anstrengung herauskommt: Da ist der Neid des einen auf seinen Nächsten! Alles ist Windhauch und vergebliche Mühe!“
Schon Jahrtausende vor unserer Zeit erkennt Kohelet also: Die Menschen mühen sich um ein gutes Leben. Erfolgreich und erfüllt soll es sein. Alles wird dafür gegeben. Doch Kohelet findet: so zu handeln ist sinnlos; denn alles hat ja seine Zeit. Alles ist begrenzt und wir können nichts daran ändern. Wir können die schönen Momente – wie einen wundervollen Urlaub – nicht auf ewig festhalten. Die schweren und traurigen Momente lassen sich nicht beschleunigen. Letztlich sind wir, laut Kohelet, zum Nichtstun verdammt.
Es mag komisch klingen, aber ich finde diesen Gedanken befreiend. Diese Perspektive wirft mich nämlich zurück auf Gott. Lehrt mich Demut. Und lädt mich ein, mich selbst nicht so ernst zu nehmen. Ich vertraue darauf, dass alles in Gottes Hand liegt. Ich kann getrost mal einen Gang runterschalten. Ruhe ist dann mein Erfolgsrezept.
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