Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP
„Selig sind die, die Frieden stiften.“ (Matth. 5,9) Mitten in Ingelheim stand eine Zeit lang eine Herde blauer Friedensschafe. Das war ein ungewohnter Anblick. Denn blaue Schafe gibt es schließlich nicht. Sie sind auch nicht „echt“. Sie sind eine Idee des Künstlers Rainer Bonk.
Seit über 20 Jahren reist Rainer Bonk mit seiner blauen Schafherde durch ganz Europa. Deshalb wird er auch der „Blauschäfer“ genannt. Er sagt: Jeder Mensch hat die gleiche Würde. Jeder zählt. Die blaue Herde steht für Frieden, Toleranz und ein gutes Miteinander. Niemand soll ausgeschlossen werden, nur weil er oder sie „anders“ ist. Die Schafe sind nicht zufällig blau. Die Farbe Blau verbinden viele mit Frieden und mit internationaler Verständigung.
Was mir gefällt, ist, dass diese blauen Schafe nach der Ausstellung nicht einfach wieder aus Ingelheim verschwunden sind. Einige haben sich über Ingelheim verteilt. Bis heute begegnen sie mir in Schaufenstern, auf Weingütern oder in Kindertagesstätten. Jedes Mal, wenn ich eines entdecke, bleibe ich einen Moment stehen. Denn plötzlich ist sie wieder da – diese einfache Botschaft: „Jeder Mensch hat die gleiche Würde. Jeder ist wichtig. Jeder zählt“ Das verbreiten die Schafe als blaue Botschafter jetzt von allen möglichen Orten in der Stadt. Und es werden immer mehr. Ich finde das wunderbar.
„Selig sind die, die Frieden stiften.“ Toleranz und Frieden gehören mitten in unseren Alltag. In die Geschäfte. In die Familien. In die Nachbarschaft. Immer dann, wenn wir einander mit Respekt begegnen. Wenn wir den anderen nicht zuerst nach seiner Herkunft, seiner Meinung oder seinem Aussehen beurteilen, sondern als Mitmenschen sehen.
Gut, dass die blauen Schafe sich immer weiter verbreiten: Sie erinnern uns täglich daran, dass Frieden dort beginnt, wo wir einem Menschen auf Augenhöhe begegnen und seine Würde achten.
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