Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP
„Wie geht‘s dir?“ fragt mich eine Freundin. So wie wir das oft daherfragen. Und ich gebe die Antwort, die erwartet wird, damit man nicht weiter nachfragen muss: „Geht schon. Alles gut.“ Aber meine Freundin gibt sich nicht zufrieden mit „Geht schon“. Sie schaut mich an und sagt: „Ich sehe doch, dass es nicht geht. Magst du es mir erzählen?“ Da kommen mir die Tränen. Sie fragt nichts weiter. Kocht erst mal Tee, stellt Honig auf den Tisch, zwei Tassen und zwei Löffel. Sie lässt mir Zeit, bis ich wieder sprechen kann. Und dann erzähle ich ihr alles, was mich bedrückt. Am Ende sagt sie nur: „Das ist schlimm. Und das wird auch nicht einfach wieder gut. Aber wir gehen den Weg zusammen.“
Seitdem schmeckt Freundschaft für mich warm und kräftig-süß. Wie eine Tasse Tee mit Honig. Dass jemand zuhört macht das Schwere nicht ungeschehen. Aber es macht den Weg leichter, wenn jemand da ist, der mitfühlt und helfen will.
Heute ist der Internationale Tag der Freundschaft. Deshalb denke ich heute an Menschen wie meine Freundin. Echte Freunde. Nicht unbedingt die Lautesten oder Lustigsten. Sondern die, die bleiben, wenn das Leben schwer wird. Die sich nicht mit der ersten Antwort zufriedengeben, sondern noch einmal nachfragen. Die schweigen können und zuhören. Die Tee kochen und Zeit mitbringen.
Schon die Bibel weiß, was ein echter Freund wert ist. „Ein treuer Freund ist ein starker Schutz; wer ihn findet, hat einen Schatz gefunden.“ (Sirach 6,14) Ich habe erlebt, dass das stimmt. Vielleicht haben Sie auch einen solchen Schatz in Ihrem Leben. Sagen Sie diesem Menschen doch einfach mal: „Wie gut, dass es dich gibt. Dich hat der Himmel geschickt!“
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