Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

28JUL2026
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„Oh nein! Da ist ein Fleck auf meinem Kleid! So kann ich doch nicht mehr unter die Leute gehen. Das ist ja so peinlich!“ Mein Mann und ich haben uns jeder ein großes Eis in der Waffel gekauft. Und mein Schokoladeneis ist auf mein helles Kleid getropft. Ich schimpfe, während ich versuche, den Fleck rauszureiben. Und kann nichts anderes mehr sehen und denken als diesen Fleck. Da schaut mein Mann mich an. Seine Augen huschen kurz über den Fleck. Dann sagt er: „Da ist noch so viel Kleid ohne Fleck drumherum!“

Dieser Satz macht mich nachdenklich, denn ich merke: Nicht nur bei meinem Kleid geht es mir so. Auch im Leben starre ich oft auf das, was nicht gelungen ist. Auf den Fehler, den ich gemacht habe. Auf das, was andere vielleicht über mich denken. Auf das, was mir fehlt. Dieser eine dunkle Fleck wird plötzlich riesengroß. Und alles andere gerät aus dem Blick.

Dabei gibt es doch so viel mehr in meinem Leben. So vieles, das gelingt. Menschen, die mich lieben. Fähigkeiten, die ich habe. Begegnungen und Gespräche, die mich glücklich machen.

In der Bibel sagt einer zu Gott: „Gott, du stellst meine Füße auf weiten Raum.“ (Psalm 31,9) Das ist für mich ein wunderbares Gegenbild zu diesem engen Blick auf den Fleck. Gott schenkt mir Lebensraum. Gott gibt meinem Leben Weite. Da darf auch Unvollkommenes seinen Platz habe. Ja, es gibt dunkle Flecken. Aber sie sind nicht das Ganze, sondern nur kleine Punkte im weiten Raum.

Ich bin dann doch weitergegangen mit dem Schokofleck auf meinem Kleid. Nicht, weil der Fleck plötzlich weg gewesen wäre. Sondern weil ich verstanden habe: Da ist noch so viel Kleid um den Fleck herum. Und da ist noch so viel Leben um das herum, was gerade nicht perfekt ist. Das kann ich lernen. Denn Gott sieht das Ganze.

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