Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

28JUL2026
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Die Wohnküche ist hell und aufgeräumt, das Baby liegt friedlich glucksend in seinem Körbchen. Trotzdem ist die Stimmung bei der jungen Familie gedrückt. „Es fällt mir schwer, an Gott zu glauben.“ Das sagt der junge Vater beim Taufgespräch zu mir. Er hat im Leben schon Schweres erlebt. Und zweifelt seither, ob es Gott gibt. Oder ob er sich für die Menschen interessiert.

Nun hat auch seine kleine Tochter einen harten Start ins Leben. „In den letzten Wochen“, hat mir der Papa erzählt, „habe ich mich trotz aller Zweifel manchmal dabei erwischt, dass ich gebetet habe: ,Bitte, Gott, lass alles gut werden.‘“

Seine Bitte ist nicht so erhört worden, wie er es sich gewünscht hat. Denn inzwischen ist klar: Die Kleine wird sich nicht entwickeln wie andere Kinder. Wie ihr Leben verlaufen wird, ist unklar. Die Ärztinnen und Ärzte können es nicht voraussagen. Für die jungen Eltern ist damit eine Welt zusammengebrochen. Die Zukunft macht ihnen Angst. Was ist mit Gott, fragen sie sich. Warum mutet er uns das zu?

Ich kann ihnen nur erzählen, wie ich mich selbst manchmal einfach nur an der Hoffnung festhalte: Dass Gott trotzdem da ist. Immer. Weil Jesus immer genau da hingegangen ist, wo das Leben weh tut. Wo Menschen am Ende sind.

Wie gut, denke ich, dass die Eltern gerade jetzt den Taufgottesdienst vorbereiten für ihr kleines Mädchen, trotz aller Sorgen und Zweifel. Und dass zur Taufe Paten und Freunde und Verwandte kommen und mit ihnen feiern.

In der Taufe bekommt die Kleine die Zusage von Gott: Wie immer dein Leben verlaufen wird, du bist mein geliebtes Kind. Und: Mit der Taufe wird sie in die Gemeinde aufgenommen, Teil einer Gemeinschaft. Für die junge Familie es gut zu spüren: Wir sind nicht allein mit unseren Sorgen. Da gibt es Menschen, die mit uns unterwegs sind – in der Familie und auch darüber hinaus.

Dass der Papa an Gott zweifelt, vielleicht sogar verzweifelt, das kann ich verstehen. Nein, es wird nicht alles „einfach gut“ werden mit seiner Tochter – obwohl er dafür gebetet hat. Es wird vieles anders und manches schwerer sein als bei anderen Kindern. Aber vielleicht, das hoffe ich, kann auch er als Papa im Taufgottesdienst etwas davon spüren, dass Gott trotz allem da ist. Und mitträgt – gerade, wenn man am Ende ist und eine Welt zusammenbricht.

Die Worte von Jesus, die zu jeder Taufe gehören, werde ich in diesem Gottesdienst jedenfalls noch einmal anders hören als sonst: Siehe, sagt Jesus, ich bin bei euch alle Tage – bis an der Welt Ende.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44875
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