Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW
Wenn ich aus unserem Küchenfenster schaue, sehe ich Obstbäume, dahinter frisch abgeerntete Kornfelder und: eine Kuhweide. Wenn ich Glück habe, kann ich beobachten, wenn die Tiere aus dem Stall auf die Weide kommen. Dann sehe ich manchmal den großen, schweren Milchkühen dabei zu, wie sie, kaum sind sie draußen, ausgelassen über das Grün springen. So viel Beweglichkeit traut man ihnen gar nicht zu.
Ich sehe den Kühen zu und werde nachdenklich. Die Kuhweide gibt es nämlich noch nicht lange. Früher waren die Kühe – wie fast alle Nutztiere bei uns – immer im Stall. Und an vielen Orten sind die Ställe immer größer geworden. Immer mehr Milch und Fleisch, immer mehr Eier werden produziert und gegessen. Die Frage ist: Wie soll das weiter gehen – ohne Quälerei und Leid für die Tiere?
Wir Menschen tragen Verantwortung für die Tiere – das ist schon in der Bibel eindeutig festgehalten: Ein gerechter Mensch sorgt für das Wohl seiner Tiere, stellt das Buch der Sprüche klar. Sie einfach bloß kaltherzig auszunutzen, das tun nur die Frevler.
Vielen Landwirten ist das Wohl ihrer Tiere wichtig. Die Kuhweide vor meinem Fenster zeigt das: Der Biobetrieb hat umgestellt, so dass die Kühe jetzt draußen grasen können. Das war mit Mühe und Investitionen verbunden. Und auch die Tiere, die nur den Stall kannten, mussten erst einmal lernen, dass man Gras, das am Boden wächst, tatsächlich fressen kann. Inzwischen aber freut sich die Landwirtsfamilie mit den Kühen über die neue Bewegungsfreiheit.
Der Biobetrieb kann so wirtschaften – auch, weil Menschen bereit sind, für Biomilch einen höheren Preis zu zahlen. Und ich denke, das müsste jetzt weiter gehen. Dass wir gemeinsam nach Wegen suchen, damit die Preise für unsere Lebensmittel gerechter werden. Und sich alle leisten können einzukaufen – ohne Quälerei für die Tiere oder Schäden an der Natur. An dem Thema sollten wir gemeinsam dranbleiben – in der Landwirtschaft, in der Politik. Oder auch ich bei mir selbst, wenn ich mit meinem Einkaufszettel in der Hand überlege, was ich einkaufen soll.
Ein gerechter Mensch sorgt für das Wohl seiner Tiere, heißt es in der Bibel. Wenn ich Milch, Eier oder Fleisch kaufe, dann schaue ich zumindest nach der Haltungsform und sehe daran, ob die Tiere wenigstens einigermaßen faire Lebensbedingungen hatten.
Gott, du hilfst Menschen und Tieren, heißt es in Psalm 36. Und wir sollten unseren Teil dazu beitragen. Wenn ich die Kühe sehe, die sich vor unserem Küchenfenster an ihrem Auslauf freuen, denke ich: Das ist nur fair.
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