SWR Kultur Wort zum Tag
Eine gute Freundin hat was Schlaues gesagt: „Mit Kontakten ist es ähnlich wie mit Essen. Es gibt Kontakte, die dich nähren und andere, die es weniger tun.“ Der Gedanke leuchtet mir ein, und ich bin froh, dass mir auch gleich ein paar Menschen einfallen, die ich als „Kontakte, die mich nähren“ einstufen würde. Meine Familie zum Beispiel oder bestimmte Personen auf der Arbeit, die ich besonders schätze und natürlich gute Freunde. Wenn wir uns sehen, uns unterhalten, Zeit miteinander verbringen oder auch nur telefonieren, dann tut mir das gut. Es baut mich auf, gibt mir Kraft, und manchmal zehre ich noch ein paar Tage später davon, wenn wir uns mal wieder getroffen haben. Und da ist dann auch schon ein erster Haken. Wenn ich anfange so darüber nachzudenken, dann ist das mit den nährenden Kontakten ein bisschen wie mit der gesunden Ernährung. Natürlich weiß ich theoretisch wie ich mich gesünder ernähren könnte, aber im stressigen Alltag kriege ich es oft nicht so hin. Genauso weiß ich, welche Kontakte mir guttun, und trotzdem vernachlässige ich sie manchmal. Es gibt immer wieder Tage, an denen meine Frau und ich keine Zeit finden, um uns gegenseitig zu erzählen und zuzuhören, was uns gerade beschäftigt. Seit langem möchte ich mich mal wieder bei einem guten Freund melden, und mache es dann doch nicht.
Als ich mit einer Kollegin, die ich sehr schätze, aber selten sehe, über das Thema spreche, meint sie: „Es nervt mich, mir immer vorzunehmen, es besser zu machen. Ich freue mich stattdessen, wenn ich in einem Gespräch merke, wie gut es mir gerade tut. Und dann genieße ich es ganz bewusst.“ Wow, denke ich, das gefällt mir.
Wenn ich darauf achte, dann bemerke ich auf einmal, wie auch scheinbar kleine, unbedeutende Begegnungen mich aufbauen z.B. ein kurzes, aber herzliches Gespräch mit der Mitarbeiterin in der Kantine, während sie mir Essen auf den Teller lädt. Oder ein Patient, der mir von weitem zuwinkt und sich freut mich zu sehen.
Ich glaube, es ist gut, sich bewusst zu machen, welche Kontakte mich nähren. Und es ist gut diese zu pflegen und vielleicht sogar zu intensivieren. Vor allem aber möchte ich sie wahrnehmen und genießen.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44873