SWR3 Gedanken
Das aktuelle Unicef-Foto das Jahres ist einfach stark: Da sieht man ein Mädchen aus Afghanistan. Es heißt Hajira, wohnt in einem Dorf in den Bergen und darf mit ihren zehn Jahren gerade noch auf die Grundschule gehen. Sie ist wunderschön bunt angezogen, und ihre Haare sind mit einem weißen Kopftuch nur locker bedeckt. Hajira sitzt auf dem Boden, hinter ihr liegen ein paar Kissen, und sie lernt. Mit zwei Schulbüchern, Kugelschreiber und einem Collegeblock auf den Knien.
Hajira lernt, obwohl sie in Afghanistan als Mädchen nicht mehr lange lernen darf, nur bis zur 7. Klasse. Und das, obwohl schon heute in Afghanistan überall Ärztinnen fehlen, Frauen haben dort gar keine Rechte mehr!
Mir ist klar, dass ich an den Verhältnissen in Afghanistan und der unsäglichen Unterdrückung von Mädchen und Frauen nichts ändern kann. Aber ich kann dieses Mädchen auf dem Foto bestaunen. Wie entschlossen es lernt. Voller Neugier, so als wüsste sie, dass sie kaum noch Zeit hat.
Die französische Fotografin Elise Blanchard hat das Foto geschossen. Sie war lange in Afghanistan, eine ganze Zeit lang hat sie sogar mit einer Taliban-Familie zusammengelebt. Und sie hat erkannt, was so viele Mädchen und Frauen in Afghanistan ausmacht. Sie sind wie Hajira irgendwo versteckt, aber sie sind klug und wollen lernen, und vor allem wie Menschen behandelt werden.
Das ist still, und das ist stark.
