SWR4 Abendgedanken

28JUL2026
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Es gibt Abende da bin ich mit meinen Gedanken schon beim nächsten Tag. Ich denke dann an all das, was auf mich zukommen wird. Mich überfordert, oder zeitlich einfach zu viel ist. Ganz zu schweigen von all dem, was heute liegen geblieben ist und morgen aufgearbeitet werden muss. All das ist nicht gut, um am Abend zur Ruhe zu kommen.

Was tue ich?

Etwas Erleichterung bringt mir, wenn ich alles, was ich so morgen vorhabe auf einen Zettel schreibe und dabei meine Gedanken ein wenig sortiere. Allein das Aufschreiben ist schon heilsam. Denn wenn ich es aufschreibe, muss ich es mir nicht mehr im Gedächtnis festhalten.  Der kommende Tag bekommt Struktur und ist dann nicht mehr ganz so bedrohlich. Ich hab ja alles aufgeschrieben und kann den Zettel beruhigt beiseitelegen. Nein, ich muss auch nicht alles allein machen morgen. Ich darf gelassen sein. Ich denke an all meine Kolleginnen und Kollegen, mit denen ich morgen zusammenarbeiten werde. Und fast hätte ich es vergessen: Da ist ja auch noch meine Familie.

Das Aufschreiben ist ein kleines Ritual, um den Tag in Ruhe ausklingen zu lassen.

Mein Gott auf Dich vertraue ich, in deine Hände lege ich mein Leben.

So heißt es in einem Abendgebet der Christen. Mir gefallen diese Worte. Es sind uralte Gebetsworte, einst aufgeschrieben von Jüdinnen und Juden. Gesprochen bis heute. Meine Angst nicht mehr alles zu schaffen, wird darin in tiefes Gottvertrauen verwandelt.

Mein Gott auf Dich vertraue ich, in deine Hände lege ich mein Leben. Das sind keine Worte der Schwäche. Sie gehen mir durch den Kopf, während ich noch einmal auf den Zettel mit all meinen Planungen für morgen schaue. Ich schaue auf meine Hände, die den Zettel halten. Was sie tragen können und was nicht. Was sie ausrichten und was sie anrichten.

Mein Gott auf Dich vertraue ich, in deine Hände lege ich mein Leben.

Ein Gebet, das mich lehrt auch so manches loszulassen. In andere Hände zu legen. Auf mehrere Schultern zu verteilen. Es ist eine gute Vorbereitung für den Schlaf in der Nacht. Die Nacht erlaubt mir jeden Abend alles loszulassen und abzugeben. Im Vertrauen gehalten zu sein. Von Gott und den Menschen. So kann ich zur Ruhe kommen.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend.

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