SWR3 Gedanken
In der Bibel gibt es viele Geschichten vom Vergeben. Gott ist barmherzig und vergibt denen, die Schuld auf sich laden. Jesus stirbt, um unsere Schuld zu begleichen. Ich bin da nicht immer einverstanden. Bin misstrauisch: wenn Gott zu allen gleich ‚gütig und barmherzig‘ ist, das nährt in mir einen Verdacht: Steht Gott nicht immer wieder auf der falschen Seite? Bei Leuten, die in den Familien und auf der Arbeit auf Kosten anderer leben; Männern und auch Frauen, die prügeln und vergewaltigen; Priestern die Kinder missbrauchen; Mächtigen, die Kriege anzetteln gleichgültig gegenüber Leid und Tod.
Dieses Vergeben finde ich ungerecht, es macht mich ratlos, ja wütend. Warum tritt Gott denen nicht vors Schienbein? Lässt ihre Yachten rosten? Oder schleudert ihnen zumindest die Wahrheit ins Gesicht. Es kann doch nicht die ganze Welt leiden, weil Gott allen vergibt?! Und muss ich denen auch alles vergeben? Das will ich nicht müssen. Ich finde das eine schwierige Frage und verstehe Leute die sagen: „Nee, das mit dem Christentum, das hat mir zu wenig mit Gerechtigkeit zu tun. Immer das mit dem Vergeben.“ Ich will, dass Gott Partei ergreift. Klar und eindeutig. Für die Schwachen. Gegen die Starken.
Aber Gottes Gerechtigkeit sieht sogar da noch eine Möglichkeit, wo ich nur noch sage: „Fertig. Schluss. Vorbei.“
Für mich funktioniert das mit der Vergebung dennoch nur auf eine Weise: Gottes Barmherzigkeit stellt sich nicht auf die Seite der Täter. Gott stellt sich zwischen die, die schlagen, und die, die geschlagen werden. Gott schützt die Schwachen, tritt an ihre Stelle, lässt sich selbst schlagen und konfrontiert die Täter. Gibt ihnen so noch eine Chance. Ich vertraue darauf: Gott kann das, dazwischenstehen und gleichzeitig auf der Seite der Geschlagenen.
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