SWR3 Gedanken
Wir machen Urlaub in Cornwall. Um der Hitze zu entfliehen und wegen der schönen Landschaft. Nach langer Suche haben wir eine günstige Unterkunft gefunden.
Unsere Vermieterinnen laden uns in den Pub ein, da treffen sie sich abends mit Freunden und Freundinnen zur Musik. Wir erleben einen unbeschreiblich schönen Abend. Leute kommen zusammen mit Geigen und Flöten, mit Trommeln und Gitarre. Einer mit einer Uilleann Pipe, der irischen sanft klingenden Schwester des Dudelsacks, Ellenbogenpfeife.
Sie jammen stundenlang, einer gibt eine Melodie vor, die anderen stimmen ein. Ich kenne mich nicht aus, aber es ist Folkmusik mit keltischem Ursprung. Die Leute, die da rundherum sitzen, kennen einander. Sie laden uns ein an ihren Tisch. Wir trinken Bier, auch ich, wo ich sonst nur Wein trinke. Sie erzählen uns von ihrem Cornwall, der Sprache, der Geschichte, von den Leuten, von der Herausforderung in diesem wenig industrialisierten Landstrich zu leben.
Fast alle leben nicht zufällig hier, sie haben sich dazu entschieden. Sind weggegangen aus dem lauten aufgeregten London, wo die guten Jobs sitzen. Es ist anstrengend, das Leben in Cornwall, nicht leicht zu finanzieren. Die meisten wurschteln sich durch mit mehreren Jobs, wohnen bescheiden. Immobilien werden von Investoren aufgekauft. Aber es ist es ihnen wert: ein besonderes Leben: Viel Freiheit und viel Frieden sagen sie und Wind und Wasser und Musik und gute Leute.
Wir debattieren, ob wir so etwas auch in Deutschland kennen: Einen Ort, an den Leute ziehen, weil das Leben da näher an dem dran ist, wie sie leben wollen. Ich kenne einen Stadtteil, aber keinen Landstrich, keine Region. Frei und in Frieden - für mich fühlt es sich an wie ein Versprechen. Fast biblisch. Ein Hauch von Paradies.
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