Begegnungen

19JUL2026
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Mads Langer Copyright: Petra Kleis

Christopher Hoffmann trifft: den dänischen Singer-Songwriter Mads Langer

Der heute 42-jährige feierte internationale Erfolge mit Songs wie “You´re not alone” oder “Fact fiction”. Als junger Künstler wurde er in Dänemark entdeckt und zog zu einem großen Plattenlabel nach New York:

Das war wie ein Traum, gewaltig, es war viel größer, viel mehr Power als in Dänemark. Ich habe dort viel gelernt, schrieb Musik mit unglaublich talentierten Leuten. Aber nach einem Jahr war mir auch klar, dass das nichts für mich war. Man versuchte mich in eine Form zu pressen, aber das war nicht ich. Musik war immer kostbar für mich. Ich war froh, als mir klar wurde: Ich will nicht um jeden Preis berühmt sein. Also ging ich zurück, löste den Plattenvertrag auf und fing nochmal von vorne an. Ich habe immer auf meine innere Stimme gehört und fühlte mich mit meiner Seele verbunden.

Wenn ich die Musik von Mads Langer höre - seine kraftvolle Stimme, sein virtuoses Klavierspiel - spüre ich genau das: Seele. In seinen Popsongs verarbeitet er immer wieder auch existentielle Themen und auch seinen Glauben an Gott. Etwa in dem Song “Helt deroppe”, das ist dänisch und bedeutet: “ Ganz da oben”. Es geht um den Tag, als er erfährt, dass seine beste Freundin unheilbar an Krebs erkrankt ist:

Ich war am Meer in der Gegend wo meine Vorfahren lebten. Ich schaute in den Himmel, betete und fragte nach dem Sinn des Ganzen. Und dann habe ich in meinem Tagebuch notiert: Ich werde ein Lied schreiben, das heißt „…Ganz da oben“.

Erst Jahre später - er ist inzwischen Vater geworden -  erinnert ihn ein Satz seiner kleinen Tochter an diesen Tagebucheintrag:

An einem morgen, als ich am Klavier saß, kam meine zweijährige Tochter und zeigte aus dem Fenster auf eine Lücke in den Wolken am Himmel, wo die Sonne durchschien und meinte: „Ganz da oben, Dad…“ und sie sprach von einem Engel -  das war schon sehr berührend.

Und nun schreibt Mads Langer den Song “Ganz da oben” - und dort, glaubt er, ist auch seine verstorbene beste Freundin jetzt. Er hat auch das Lied “21:4” geschrieben. Das ist inspiriert von einem Bibelvers aus dem Buch der Offenbarung des Johannes. Da steht in Kapitel 21, Vers 4: ‚Gott wird alle Tränen von ihren Augen abwischen, und es wird keinen Tod mehr geben, kein Leid, kein Weinen, keinen Schmerz, denn das Alte ist vergangen.' Diese Zusage gibt auch Mads Langer Hoffnung, denn er glaubt an die Auferstehung und an einen Gott, der alles ins Leben rief:

Ich glaube, dass alle Lebewesen untereinander und mit Gott verbunden sind, daher sehe ich mich als Puzzleteilchen im großen Puzzle, im großen Ganzen. 

Ich treffe Mads Langer in Kopenhagen, wo der weltweit erfolgreiche Popmusiker lebt. Er spielt Klavier seit er drei Jahre alt ist und seinen Beruf versteht er als Berufung...

Mir war von Anfang an klar, dass ich hier bin, um zu singen und Lieder, Texte und Gedichte zu schreiben. Das war nie eine Wahl.

Mads Langer ist ein gläubiger Mensch - und für sein Gottesbild ist ein Satz aus der Bibel ganz zentral: Gott ist die Liebe. (1 Joh 4,8)

Der Schlüssel ist: Du bist von Anfang an schon geliebt. Für mich geht es bei „Spiritualität“ nicht darum, der Weltzu entfliehen, sondern um die Botschaft der Liebe, der Vergebung. Wie du einem Fremden auf der Straße begegnest oder wie du dich im täglichen Leben bewegst.

Mads Langer trägt bei unserem Treffen eine coole blaue Anzugkombination, ist bekannt für seinen individuellen Style. Und er trägt eine silberne Kette mit einer Taube darauf, die den Heiligen Geist symbolisiert. Ich fragen ihn warum.

Das bedeutet mir sehr viel: Ich gebe mich und mein Leben täglich in den Dienst des Heiligen Geistes. Ich habe erkannt: Ich bin nicht hier, um zu nehmen oder zu besitzen. Ich bin hier, um zu geben. Vieles hat sich verändert, seit ich das erkannt habe, das Leben öffnet sich.

Dem Heiligen Geist dienen? Für Mads Langer kann das ganz viele Dimensionen haben. Ein guter Vater sein, achtsam mit den Mitmenschen umgehen - aber auch: mit sich selbst. Sich selbst annehmen und lieben, trotz Macken und Fehler - das ist ein großes Thema von Mads Langer. Und die Liebe zum Nächsten? Die versteht er auch ganz global und konkret.  Etwa, als er im letzten Jahr unter anderem mit der dänischen Diakonie ein Flüchtlingscamp in Uganda besucht hat:

Das war eine lebensverändernde Erfahrung. Hauptsächlich junge Frauen mit Kindern ohne Ehemänner, die entweder getötet wurden oder noch im Krieg sind. Ihnen zu helfen, ihre eigenen Gärten anzulegen. Viele dieser starken Frauen waren schon so weit, dass sie genug Früchte aus ihren Gärten ziehen konnten, um sie auf dem Markt zu verkaufen und damit ihre Kinder in die Schule zu schicken. Die größte Hilfe ist die, Menschen in die Lage zu versetzen, sich selbst zu helfen.

Für Mads Langer ist klar: wir müssen weiterhin geflüchteten Menschen helfen:

Flüchtlinge sind uns ebenbürtig, und wir sollten immer daran denken: Wie würden wir behandelt werden wollen, wenn wir an ihrer Stelle wären?

Und er hat kürzlich ein weiteres Stück Land besucht, weil es sich der Mann im Weißen Haus unter den Nagel reißen will: Grönland. Als Däne ist es ihm wichtig für die Ureinwohner der Insel seine Stimme zu erheben:

Grönland ist ein unglaublicher Ort. Ich war so bewegt von der Natur und den Menschen Grönlands. Stell dir vor, wie stark sie sind, sie haben dort seit Jahrhunderten überlebt. Ich möchte in Zukunft dazu beitragen, ihrer Stimme Gehör zu verschaffen, ihre Kultur zu stärken und anzuerkennen und all das zu erhalten. Wir können viel von ihnen lernen.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44840
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