Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

25JUL2026
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Mein Smartphone kann alles: Bankgeschäfte erledigen, einkaufen, jede Frage beantworten, Musik und Filme liefern, Kontakte pflegen und natürlich auch telefonieren. Vor wenigen Jahrzehnten war das noch anders. Wo heute das Smartphone einspringt, gab es früher Menschen. Verkäufer im Geschäft berieten mich, die Bankangestellte erklärte mir meinen Kontostand, Freundschaften und Kontakte waren meist dreidimensional, direkt und konkret.
Diese Erinnerung ist nicht bloß technikfeindlich oder nostalgisch. Eine neuere Untersuchung macht das deutlich: das Smartphone ist nicht alleine, aber mit dafür verantwortlich, dass weniger Kinder geboren werden. Während die Menschen früher persönliche Kontakte unterhielten, beschränken sich viele Begegnungen inzwischen auf Online-Bekanntschaften. Auch Pornographie ist leicht abrufbar. Wenn dann junge Menschen noch sagen „Die künstliche Intelligenz versteht mich besser als meine Freunde“ und lieber mit einer Maschine sprechen als mit einem echten Menschen, dann ist vorstellbar, dass das Einfluss hat auf’s Lieben und geliebt Werden und schließlich auch auf’s Kinderkriegen. Smartphones kriegen keine Kinder.

Ich will das nicht dramatisieren, aber es ist ein echtes Problem. Will ich mich dem Smartphone entziehen, bin ich doppelt herausgefordert: Ich muss die scheinbar lebenswichtigen Kontakte auf dem Handy einschränken, ohne dass gleich konkrete Menschen und Freunde vor mir stehen. Und ich muss mich dem falschen und süchtig machenden Versprechen der Konzerne entziehen, die ein aufregendes Leben aus dem Internet versprechen, wenn ich nur immer weiterklicke. Das ist aber eine Lüge und macht Menschen sogar abhängig. Wer sich davon befreien will, muss selbst dagegen ankämpfen. Zugleich können wir aufeinander zugehen, uns als Kontakt anbieten. Schon die Frage: „Ist das die Straßenbahn nach Gonsenheim?“ kann der Handy-Blase einen ersten Stich versetzen.

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