SWR3 Gedanken

15JUL2026
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Mein Freund Klaus hat einen Satz zu mir gesagt, den hab ich erstmal gar nicht verstanden. Er hat gesagt: „Wenn jemand zu dir: Du bist doch nicht ganz dicht! - dann freu dich.“

Ich darauf hin: „Wie bitte? Ich soll mich freuen, wenn mir jemand sagt: Du bist nicht ganz dicht.“ „Ja, genau.“ Klaus erklärt weiter: „Du bist doch Christin. Christen dürfen nie ganz dicht sein.“ Und dann holt er aus und erzählt mir von seinem letzten Städtetrip nach Rom. Dass er dort eine Kirche besichtigt hat, die war früher mal ein Tempel. Das sogenannte Pantheon. Das Pantheon hat oben in der Decke ein Riesenloch. Richtig schön groß und rund, so dass man tatsächlich auch innen nass wird, wenn es draußen regnet. Klaus hat sich direkt drunter gestellt und hoch in den Himmel geschaut. Er hat  überlegt, was das Loch in der Decke bedeuten könnte. Vielleicht: Die, die unten in der Kirche stehen, sollen einen direkten Draht zum Himmel haben. Oder: Luft soll in die Kirche reinkommen und viel Licht.

Wie Klaus so von seiner Lieblingskirche in Rom schwärmt, ahne ich langsam was er mit seinem Satz meinen könnte: „Christen dürfen nie ganz dicht sein.“ Für mich heißt das, dass es schon passt, wenn ich manchmal „nicht ganz dicht bin“, also ein bisschen verrückt. Wenn ich mit Gott spreche und damit rechne, dass er in mein Leben reinkommt. Und der Satz könnte auch bedeuten, dass ich mich nicht „ganz dicht mache“. Nicht ganz dicht mit Terminen und Plänen und nicht ganz dicht mit festen Vorstellungen, von dem wie alles zu laufen hat. Wenn ich also ab und zu nicht ganz dicht bin, kann es sein, dass ich den Himmel sehe.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44806
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