SWR3 Gedanken

13JUL2026
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Verpfuschte Tattoos haben zwei entscheidende Nachteile: erstens sehen sie nicht gut aus. Und zweitens sind sie sehr haltbar. Ich habe schon mal welche gesehen: Sterne, bei denen zwei drei Zacken zu klein geraten sind oder einen Namenszug mit verschmierten Buchstaben. Manches im Leben, das fühlt sich auch an wie ein verpfuschtes Tattoo. Es gibt Spuren, die sind so tief in die Seele eingegraben, ähnlich wie die Spur von einer Tattoo-Nadel auf der Haut.

Wer schon mal verletzt wurde, weiß was ich meine. Oder wer früh einen geliebten Menschen verloren hat. Der wird vielleicht sagen: „Diese Erfahrung hat sich ganz schön tief eingeritzt. Irgendwie kriege ich das nicht los.“

Tattoos kann man mittlerweile wieder entfernen lassen. Das kostet eine Menge Geld und ist auch ziemlich schmerzhaft. Es braucht Zeit und in den allermeisten Fällen bleiben Narben zurück.

Ich glaube, dass es mit den schlimmen Erfahrungen, ähnlich ist. Der Schmerz wird vielleicht bleiben und auch Narben. Aber niemand muss dem, was sich da eingezeichnet hat, auf Gedeih und Verderb ausgeliefert bleiben. Es ist möglich, an die heikle Stelle ranzugehen, sie langsam abzutragen. Das geht nur behutsam und dadurch, dass ich bereit bin darüber zu reden. Und natürlich muss ich jemanden haben, der zuhört und der mich sehr ernst nimmt.

Natürlich ist das keine Garantie dafür, dass ich einfach ausradieren kann, was mal passiert ist. Aber es ist auf jeden Fall eine Chance.  Und wenn ich die nutze, dann kann ich am Ende vielleicht sagen: „Ich bin nicht mehr nur ausgeliefert. Ich kenne meine wunden Stellen und ich passe gut drauf auf.“

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