SWR Kultur Wort zum Tag
„Geh aus mein Herz und suche Freud / in dieser schönen Sommerzeit“ - so beginnt eines der schönsten Kirchenlieder, ein Lob auf die Schöpfung, reinste Lebenslust und Glaubensfreude. Auf den Titel muss man erst mal kommen: das eigene Herz hat Ausgang, ausdrücklich wird es dazu aufgerufen, doch endlich mal aus sich herauszugehen. Endlich neugierig zusehen, wie aufregend vielfältig die Welt ist, voll schönster Überraschungen. Der dichtende Pfarrer Paul Gerhardt kann sich gar nicht einkriegen vor lauter Begeisterung und Staunen. Was es alles an Schönem zu bewundern gibt! Ein Lob der Diversität, reine Lust an der Vielfalt. Und das Typische dran: Paul Gerhardt schaut mit einem Kinderblick in die Welt und den Sommer, als wär‘s Bescherung zu Weihnachten: alles geschenkt, alles Gottes Gaben. Keine Schöpfung ohne Schöpfer und Schöpferin, keine Bewahrung der Schöpfung ohne ein entschiedenes Ja zur Erde und zu jenem Schöpfer-Geist, dem wir das alles verdanken.
Ganz selbstbewusst, eben demütig und mutig zugleich, spricht der Dichter schließlich auch von sich selbst, freilich erst in der 8. Strophe, als käme er nach langer Wanderung durch die Natur endlich wieder nach Hause: „Ich selber kann und mag nicht ruhn, / des großen Gottes großes Tun / erweckt mir alle Sinnen; / ich singe mit, wenn alles singt, / und lasse, was dem Höchsten klingt, / aus meinem Herzen rinnen.“ Natürlich ist er nicht blauäugig. Paul Gerhardt hat fast den ganzen 30-jährigen Krieg miterlebt. Die ganze Hölle in Mitteleuropa, mit Pest und brutaler Zerstörung. Auch im eigenen Leben hatte er schwere Schicksalsschläge zu verkraften. Also, der sommerliche Naturzauber ist nicht alles. Es wird dem frommen Christenmenschen zum Gleichnis für das, was noch kommt und schon im Gange ist: Das Leben in Fülle. „Welche hohe Lust, welch heller Schein / wird wohl in Christi Garten sein“. Der jubelnde Blick in die schöne Sommerzeit wird zum Vor-Blick in das viel Schönere noch, das uns blüht.
Deshalb die kräftigen Bitten in den Schlussstrophen: „Hilf mir und segne meinen Geist / mit Segen der vom Himmel fleußt / dass ich dir stetig blühe; / gib, dass der Sommer deiner Gnad / in meiner Seele früh und spat / viel Glaubensfrüchte ziehe. ... Mach in mir deinem Geiste Raum / dass ich dir werd ein guter Baum / und lass mich Wurzel treiben. // Verleihe, dass zu deinem Ruhm / ich deines Gartens schöne Blum / und Pflanze möge werden.“ Ja, was täte heute mehr Not als solch ökologische Achtsamkeit. Ein täglicher Beitrag zur Pflege der Schöpfung, mich eingeschlossen. Denn immer noch könnte die Welt ein Paradies sein ... „Geh aus meinem Herz und suche Freud ...“
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