SWR4 Abendgedanken

17JUL2026
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„Würden Sie mich mal anschauen, bitte?“ mit dieser Frage bleibt eine Frau plötzlich vor mir stehen. Ich kenne sie nicht. Wir stehen im Gedränge vor dem Staatstheater in Mainz und genießen die große Opernnacht – ein herrliches Spektakel. Große Opernarien und ein schwungvolles Orchester, das macht gute Laune. Aber jetzt ist Pause, alle wollen was trinken, es ist glutheiß.  Und da steht nun diese unbekannte jüngere Frau vor mir und sagt: „Würden Sie mich mal anschauen, bitte, ob mein Makeup noch okay ist?“  

Sprachlos bin ich selten. Aber jetzt brauche ich doch einen Moment, um die Situation ganz zu erfassen. Sie zögert nicht, sondern hält mir ihr Gesicht hin. Ganz unbefangen. Mir bleibt gar keine Zeit, weiter nachzudenken. Also schaue ich sie an. Schaue sie genau an. Wie sie es wünscht.  Sorgfältig geschminkt, Augen, Wangen, Lippen, alles perfekt. Das Makeup hat der Hitze bisher standgehalten. „Sie sehen wundervoll aus, es ist alles in Ordnung“ sage ich ganz direkt. Sie bleibt skeptisch. Deshalb schaue ich noch ein zweites Mal sehr aufmerksam. Damit sie es auch glaubt. Und wiederhole: „Ihr Makeup ist ganz in Ordnung!“ Froh und erleichtert geht sie weiter und verschwindet in der großen Menschenmenge.

Verdutzt bleibe ich zurück. Was war das denn?

Eine wildfremde Frau hat mich gebeten, für einen Moment ihr Spiegel zu sein. Warum auch immer sie mich ausgesucht hat. Mir drängt sich ein Wort auf: Sie zeigte mir ihr Antlitz. Voller Vertrauen. Sie machte sich verletzlich. Woher kann sie wissen, ob ich ehrlich bin?

Doch mit mir ist auch etwas passiert. Ich bin ein bisschen verwirrt. Ja, und auch berührt. Das war schon sehr persönlich, geradezu intim. Während ich ihr ins Gesicht geschaut habe, das sie mir so nah und offen gezeigt hat, hat sie umgekehrt auch mir in die Augen geschaut. Prüfend, was meine Augen ihr erzählen. Zwei schauen sich an - zwei unbekannte Menschen. Überraschend. Flüchtig. So lebendig. Sehen und gesehen werden einmal ganz anders. Mitten im Pausentrubel unter Hunderten von Menschen. Kein Wunder, dass mir das Herz heftig klopft.

„Würden Sie mich mal anschauen, bitte?“ mit dieser Frage bleibt eine Frau plötzlich vor mir stehen. Ich kenne sie nicht. Wir stehen im Gedränge vor dem Staatstheater in Mainz und genießen die große Opernnacht – ein herrliches Spektakel. Große Opernarien und ein schwungvolles Orchester, das macht gute Laune. Aber jetzt ist Pause, alle wollen was trinken, es ist glutheiß.  Und da steht nun diese unbekannte jüngere Frau vor mir und sagt: „Würden Sie mich mal anschauen, bitte, ob mein Makeup noch okay ist?“  

Sprachlos bin ich selten. Aber jetzt brauche ich doch einen Moment, um die Situation ganz zu erfassen. Sie zögert nicht, sondern hält mir ihr Gesicht hin. Ganz unbefangen. Mir bleibt gar keine Zeit, weiter nachzudenken. Also schaue ich sie an. Schaue sie genau an. Wie sie es wünscht.  Sorgfältig geschminkt, Augen, Wangen, Lippen, alles perfekt. Das Makeup hat der Hitze bisher standgehalten. „Sie sehen wundervoll aus, es ist alles in Ordnung“ sage ich ganz direkt. Sie bleibt skeptisch. Deshalb schaue ich noch ein zweites Mal sehr aufmerksam. Damit sie es auch glaubt. Und wiederhole: „Ihr Makeup ist ganz in Ordnung!“ Froh und erleichtert geht sie weiter und verschwindet in der großen Menschenmenge.

Verdutzt bleibe ich zurück. Was war das denn?

Eine wildfremde Frau hat mich gebeten, für einen Moment ihr Spiegel zu sein. Warum auch immer sie mich ausgesucht hat. Mir drängt sich ein Wort auf: Sie zeigte mir ihr Antlitz. Voller Vertrauen. Sie machte sich verletzlich. Woher kann sie wissen, ob ich ehrlich bin?

Doch mit mir ist auch etwas passiert. Ich bin ein bisschen verwirrt. Ja, und auch berührt. Das war schon sehr persönlich, geradezu intim. Während ich ihr ins Gesicht geschaut habe, das sie mir so nah und offen gezeigt hat, hat sie umgekehrt auch mir in die Augen geschaut. Prüfend, was meine Augen ihr erzählen. Zwei schauen sich an - zwei unbekannte Menschen. Überraschend. Flüchtig. So lebendig. Sehen und gesehen werden einmal ganz anders. Mitten im Pausentrubel unter Hunderten von Menschen. Kein Wunder, dass mir das Herz heftig klopft.

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