Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

17JUL2026
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In meiner alten Heimat ist die Leiterin des Kindergartens in den Ruhestand verabschiedet worden: Nach 46 Dienstjahren in derselben Einrichtung! Auch meine drei Jungs sind bei ihr in der Gruppe gewesen. Der Elternbeirat hatte Kinder und Eltern aus allen Generationen ausfindig gemacht und sie zum Abschiedsgottesdienst eingeladen.

Gerne bin ich hingefahren. Die Kirche ist brechend voll. Ich bin spät dran und bekomme gerade noch einen Sitzplatz in der letzten Bank. Vom Singspiel zur biblischen Geschichte von Noahs Arche bekomme ich deshalb nicht allzu viel mit. Aber so schlimm ist das nicht. Denn vieles ist noch genauso wie vor einem Viertel Jahrhundert, als meine Jungs hier mitgemacht haben. Das Kind, das den Noah spielt, hämmert laut, damit sein Schiff, die Arche, bald fertig wird, denn es droht eine große Flutkatastrophe. Die meisten Kinder sind als Tiere verkleidet, und auch das Lied, das sie singen, kenne ich noch: „Kommt geschwind, kommt geschwind, eh die große Flut beginnt. Kommt herein, kommt herein, steigt in Noahs Arche ein.“ Elefanten und Frösche, Schafe und Hamster, Bären und Tiger tummeln sich auf den Stufen. „Und Noah lädt sie alle ein; kommt in das Schiff herein!“

Zwischen den Liedern habe ich viel Zeit, um meine Gedanken schweifen zu lassen. Was mir im Rückblick neben all den schönen Erinnerungen wohl am wichtigsten war: Die Erziehungspartnerschaft mit den Erzieherinnen. Sie sind damals die ersten gewesen, die außerhalb der eigenen Familie einen Blick für meine Kinder hatten. Einen zugewandten und professionellen Blick. Und ich habe als Mutter im Austausch mit ihnen unglaublich viel gelernt: Zum Beispiel, dass es nicht gut ist, wenn mein fünfjähriger Sohn täglich die Nachrichten schaut, auch wenn ich ihn zu einem weltoffenen und verantwortungsvollen Menschen erziehen möchte. Aber die für Erwachsene gemachten Nachrichten konnte er noch gar nicht wirklich verkraften. Heute diskutieren Eltern mit Lehrern über eine angemessene Nutzung von Social-Media. Und wissen die Expertise der Pädagogen hoffentlich genauso zu schätzen wie ich damals. Beim Abschiedsgottesdienst In der Kirche schweben inzwischen viele bunte Ballons und bilden zusammen einen großen Regenbogen. In der Bibel steht er für Gottes Zusage, die Welt, in der wir leben, für uns und unsere Kinder zu erhalten. Und die ganze Kirche singt jetzt für die scheidende Erzieherin: „Applaus, Applaus für deine Art, uns zu begleiten. Hör niemals damit auf …“ Ich singe dankbar und aus vollem Herzen mit.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44784
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