SWR Kultur Wort zum Tag

Die Töpfe in unserem Haushalt tun nun schon seit über 30 Jahren ihren Dienst. Wir haben sie – ganz klassisch – zur Hochzeit geschenkt bekommen. Mein Mann legte damals Wert auf beste Qualität – und ich muss ihm nachträglich Recht geben. Tag für Tag sind sie im Einsatz und sie haben sich bewährt.
So ein Kochtopf ist nicht gerade ein gängiges Symbol für eine Ehe. Für mich passt es trotzdem. Denn in einer Ehe geht es nicht nur um romantische Gefühle, sondern auch darum, wie wir den Belastungen des Alltags standhalten können. Wer kocht und kauft ein? Wer holt das Kind aus der Kita ab? Wer wechselt die Reifen? Wodurch wird eine Beziehung resilient – wie ein Kochtopf, der eben auch Hitze und heftige Dämpfe aushalten muss?
Eine Ehe beginnt mit einem gegenseitigen Versprechen: „Ich will dich lieben, achten und ehren und dir die Treue halten, solange ich lebe.“ Das sagen sich Mann und Frau bei einer kirchlichen Trauung zu, und ich finde, das ist ein gutes Fundament für eine Beziehung.
Es geht nicht nur um ein einmaliges Versprechen, sondern um eine Grundhaltung: Wir vertrauen uns und wir bemühen uns umeinander. Da muss nicht alles perfekt sein, es gibt auch Auseinandersetzungen und Enttäuschungen. So wie bei einem Topf manches anbrennt. Doch das lässt sich lösen, wenn jeder versucht, auch das Erleben des anderen zu verstehen und zugleich seine eigenen Bedürfnisse und Wünsche ehrlich mitteilt.
Sich für ein ganzes Leben die Treue zu versprechen – das ist ein hohes Ideal. Kann ich das aus eigener Kraft überhaupt leisten? Im kirchlichen Trauritus heißt es: „Vor Gottes Angesicht nehme ich dich an als meinen Mann / als meine Frau.“
Für die katholische Kirche ist die Ehe ein Sakrament, also ein Zeichen, in dem Gott erfahrbar wird. Denn Gott hat einen Bund mit uns geschlossen, der unwiderruflich ist. In diesen Bund sind wir als Paar hineingenommen.
Und doch können wir auch an Grenzen stoßen, die unüberwindlich erscheinen. Ich finde es daher tröstlich, dass es im Trauritus weiter heißt: „Gott wird das Gute, das er in euch begonnen hat, vollenden.“ Treue ist kein abstraktes Ideal. Wir leben sie in unseren menschlichen Bedingungen und wie leicht werden wir durch gegenseitige Verletzungen blind und fühllos füreinander. Aber wir können darauf vertrauen, dass es in unserer Beziehung noch einen Dritten im Bunde gibt, nämlich Gott. Seine Liebe und Treue zu uns bleibt, was auch immer geschieht.
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