Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

10JUL2026
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Die große Moselschleife bei Bremm! Ein fantastisches Motiv für alle, die gerne fotografieren. Wer auf dem Gipfel des Calmont steht, dem offenbart sich die ganze Magie der Landschaft. Der Calmont ist der steilste Weinberg Europas, fast 400 m hoch. Von hier aus lässt sich auch die Klosterruine Stuben gut ausmachen. Umgeben von Weingärten ragen die Außenmauern ihrer ehemaligen Kirche in die Höhe.

Vor zweihundert Jahren war das Nonnenkloster ein – wie man heute sagen würde – „lost place“, ein verlassenes und verfallenes Bauwerk. Aber gerade der Reiz des Vergänglichen zog die großen Künstler der Romantik unwiderstehlich an. Einer von ihnen, der englische Maler William Turner, skizzierte bei seiner Moselreise 1824 auch die Klosterruine Stuben.

In mittelalterlicher Zeit war das Augustinerinnenkloster dagegen ein ausgesprochen lebendiger Ort. Vor allem seit 1208 der Kreuzritter Heinrich von Ulmen den Ordensfrauen eine wertvolle Reliquie vom Kreuz Christi übergab. Sie befand sich in einem kostbaren Schrein, den Heinrich bei der Eroberung Konstantinopels vier Jahre zuvor erbeutet hatte. Fast 600 Jahre lang verehrte man die Heilig-Kreuz-Reliquie im Kloster Stuben. Ihretwegen kamen unzählige Pilger ins Moseltal. Vom Kaiser bis zum Tagelöhner. Heute ist der Reliquienschrein, ein Meisterwerk byzantinischer Goldschmiedekunst, das Glanzstück der Sammlung des Bischöflichen Museums in Limburg an der Lahn.

Wer die lichte Kirchenruine an der Mosel besucht, der ahnt vielleicht noch etwas von der Sehnsucht der mittelalterlichen Menschen nach Heil und Erlösung. Gebete oder Gesänge füllen den Raum schon lange nicht mehr. Dafür aber kann man an diesem Ort der Stille ungehindert in den offenen Himmel schauen!

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