Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP
Die Ruinen alter Klöster ziehen viele Menschen in ihren Bann. Auch ich mag diese stillen Orte mit ihrer mystischen Atmosphäre. Großbritannien und Irland sind berühmt für ihre stimmungsvollen Klosterruinen. Aber man muss nicht auf die Britischen Inseln reisen, um solche Stätten zu erleben. Es gibt sie auch bei uns in Rheinland-Pfalz. Wie wäre es mit einem Besuch - gerade jetzt in der Urlaubszeit? Ich möchte in dieser Woche drei dieser romantischen Orte vorstellen.
Den Anfang macht der Disibodenberg. Das Kloster liegt reizvoll auf einem bewaldeten Bergrücken am Zusammenfluss von Nahe und Glan in der Nähe von Odernheim. Der Besucher spürt sofort, wie eng sich hier Natur und Architektur verbinden. Die verstreut liegenden Reste der Abtei regen die Fantasie an. Viele Menschen kommen wegen der hl. Hildegard von Bingen auf den Disibodenberg.
Sie war eine der beeindruckendsten Frauen des Mittelalters, vielfältig begabt als prophetische Seherin, Dichterin und Komponistin. Ihre Naturheilkunst begründete eine ganzheitliche Medizin, die bis heute nachwirkt. Als achtjähriges Mädchen war Hildegard in die Frauenklause des Klosters eingetreten. Fast vierzig Jahre blieb sie auf dem Disibodenberg.
Streift man durch das Gelände, entdeckt man Teile der Abtei, die in der Reformation aufgehoben wurde und später als Steinbruch diente. Die Baureste sind eingebettet in eine parkähnliche Landschaft. Kreuzgang, Speisesaal oder auch die Backstube lassen sich noch ausmachen. Überragt wird der Ort von der Giebelwand des klösterlichen Hospizes. Hier wurden Pilger, Arme und Kranke aufgenommen.
Von der Kirche selbst stehen nur noch die Grundmauern. Aber aus der Mitte des ehemaligen Gotteshauses wächst eine imposante dreistämmige Eiche. Der Baum erscheint wie ein Sinnbild für die Kraft, die der Disibodenberg noch heute ausstrahlt.
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