SWR Kultur Wort zum Tag
„Warum wird die Farbe schwarz so oft negativ bewertet?“, fragt Jack, ein afroamerikanischer Pfarrer aus der Nähe von Boston in den USA. Er hält regelmäßig Vorträge an deutschen Schulen und Hochschulen und spricht mit jungen Deutschen.
„Meine Eltern, Großeltern und Urgroßeltern haben von Weißen so lange eingeredet bekommen, dass sie weniger wert sind, dass sie es am Ende selbst geglaubt haben. Und wenn nicht, wurde es ihnen mit Gewalt beigebracht.“ Eindringlich spricht Jack zu den Schülerinnen und Schülern.
Er erzählt, dass Schwarze als Sklaven gefangen genommen, verkauft und wie Vieh gehalten worden sind. Das ist noch gar nicht so lange her. Und auch heute noch erleben Schwarze Beleidigungen und Gewalt, nur weil sie Schwarze sind.
„Die Vorurteile, sagt Jack, stecken tief in den Köpfen vieler Menschen. Und unsere Sprache verstärkt sie noch.“ Das ist den meisten aber gar nicht so klar. Jack hat dafür Beispiele: Der Schwarzmarkt ist ‚illegal’. Ein Mensch ‚sieht schwarz’, wenn er etwas Schlimmes befürchtet. Wer ‚schwarz malt’, ist pessimistisch und negativ eingestellt. Und das ‚schwarze Schaf’ in der Familie ist diejenige Person, die aus der Reihe tanzt, die stört und irgendwie böse oder anders ist“.
Weiß dagegen ist die Farbe der Unschuld. Weiß sind die Feen und die Engel, die in Mythen und Märchen dargestellt werden. Sie stehen für das Gute und kämpfen gegen das Böse. So einfach ist die Schwarz-Weiß-Farbenlehre.
Ein Schüler meldet sich: „Aber Dunkelheit ist doch nun einmal schwarz und bedrohlich. Und wenn Menschen nichts sehen können, haben sie Angst. Sie fürchten, dass etwas Schlimmes passiert!“
„Das hast du gut erkannt“, erwidert Jack. „Die Menschen haben Angst, nichts sehen zu können und die Kontrolle zu verlieren. Das ist menschlich. Was aber problematisch ist: Wenn schwarze Menschen deswegen abgewertet werden.“
Was Jack wichtig ist: Der biblische Gott hat am Anfang der Welt den Tag geschaffen und die Nacht, Helligkeit und Dunkelheit, weiße Menschen und Schwarze und viele andere dazwischen und jenseits davon. Niemanden hat Gott bevorzugt und niemanden hat er benachteiligt. Für ihn sind alle Menschen gleich wichtig. Denn das Leben ist vielschichtiger und bunter als alle menschlichen Schubladen. Gott sei Dank!
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