SWR Kultur Wort zum Tag

10JUL2026
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Meron Mendel und Saba-Nur Cheema sind ein interreligiöses Ehepaar aus Frankfurt. Er ist Pädagogikprofessor, Publizist und säkularer Jude. Sie ist Politologin, Publizistin und gläubige Muslima. In ihrem Buch „Jüdisch-muslimisches Abendbrot“ erzählen sie davon, wie sie mit Konflikten umgehen und wie sie ihre beiden Kinder religiös erziehen. Bei einer Lesung in Frankfurt habe ich die beiden neulich erlebt.

Für das Ehepaar ist es wichtig, dass Menschen bereit sind, sich unterschiedliche Meinungen anzuhören, sie auszuhalten und stehenzulassen. In ihrer Familie sind solche Übungen Alltagsgeschäft. Meron bezeichnet sich selbst als säkular und erklärt seinen Kindern viel über die kulturelle Bedeutung des Judentums. Aber auch die Geschichten aus der Thora sind ihm wichtig. Saba-Nur ist gläubig. Sie betet mit ihren Kindern und erklärt ihnen die Geschichten aus dem Koran. Beide Religionen stehen nebeneinander und keine ihrer Positionen ist mehr oder weniger wert. Das lernen ihre Kinder früh. Und genau das ist dem Ehepaar auch für die gesamte Gesellschaft wichtig. Sie sorgen sich, dass Menschen sich nicht mehr zuhören, dass unterschiedliche Meinungen nicht mehr ernst genommen werden. Und sie haben Beispiele dafür: Ein ehemaliger grüner Politiker aus Neu-Brandenburg hat die beiden nach einer Lesung in seiner Heimat mit seinem privaten PKW 90 Minuten nach Berlin gefahren, weil um die Zeit keine S-Bahn mehr fuhr.

Auf der Fahrt hat er ihnen davon erzählt, wie er nach der Wende eigentlich positiv gestimmt war und seine Heimat konstruktiv verändern wollte. Aber in den folgenden Jahren hat er immer wieder erlebt, dass seine Erfahrungen, seine Sprache und seine Art zu denken niemand interessiert hat oder pauschal abgewertet wurde. Nun wählt er Rechtsaußen, ist aber weiterhin am Gespräch interessiert. Deshalb hat er die beiden auch gefahren, um mit ihnen zu reden zu können. Für ihn, für Meron und Saba-Nur ist es ein Glücksfall, dass es zu ihrem Austausch gekommen ist. Und genau um diese schwierigen und auch schmerzhaften Gespräche geht es dem Ehepaar. Zuhören, einander ernst nehmen, Unterschiede aushalten und nicht bewerten. Das ist ihr Mantra. Davon brauchen wir noch viel mehr, wenn wir auch in Zukunft miteinander friedlich zusammenleben wollen.

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