SWR4 Abendgedanken
Beten ist etwas Besonderes. Diese kleine Szene zu Beginn der Fußballweltmeisterschaft hat mir das wieder vor Augen geführt. Da haben Nationalspieler aus zwei verschiedenen Nationen zuerst gegeneinander gespielt und dann gemeinsam gebetet. Einfach so. Nach dem Schlusspfiff wurde aus dem sportlichen Duell eine betende Gemeinschaft.
Diese Verbindung durch den Glauben hat ein großes Echo in den Medien hervorgerufen. Viele Menschen haben über dieses gemeinsame Gebet mitten im Fußballstadion gesprochen, sich gewundert oder sich begeistern lassen. Plötzlich war das Beten, ob alleine oder gemeinsam, ein Thema, über das geredet und diskutiert wurde.
Mich hat das nachdenklich gemacht. Warum ist es mittlerweile so besonders in der Öffentlichkeit zu beten? Meine Erfahrung ist, dass ein öffentliches Gebet sehr unterschiedliche Reaktionen auslöst. Das reicht von „Echt? Du betest? über „Boh, ist das altmodisch!“ oder „Oh, lass uns gemeinsam beten“ bis hin zu „Ey wie peinlich, kann man das nicht zuhause machen!“.
Mein Glaube gehört fest zu meinem Leben, beides lässt sich nicht voneinander trennen. Genauso ist das bei diesen Fußballspielern, die sich nach dem Spiel als Christen zusammengefunden haben. Sie haben ihren Glauben nicht versteckt, aber auch nicht inszeniert. Ihr Gebet kam von Herzen und sie sind ihrem Herzen gefolgt.
Jesus hat im Matthäusevangelium eine kurze Anleitung gegeben, wie wir beten können: Wenn du betest, dann stell dich nicht demonstrativ in die Öffentlichkeit, um zu zeigen, dass du beten. Mach dich nicht wichtig mit deinem Gebet, aber versteck dich auch nicht. Du brauchst auch gar nicht viele Worte für ein Gebet. Du darfst einfach mit Gott reden über all das, was dich bewegt, was dir das Herz schwer macht, wofür du danken willst und womit du haderst. (nach Matthäus 6,5ff)
Das macht Beten so besonders. Beten ist ein Gespräch, bei dem ich mich nicht verstellen muss, sondern so sein kann wie ich bin. Ich kann Gott geradeheraus sagen, wie es mir geht, worüber ich mich freue, an wen ich denke und für wen ich bete.
Manchmal geschieht das in der Kirche, im Restaurant, im Gottesdienst, auf dem Fußballplatz oder als stilles Gebet im überfüllten Zug: Und Gott hört zu – da bin ich ganz sicher!
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